Der Grand Sélect ist bei Wieninger keine von Anfang an separat ausgebaute Partie, sondern entsteht erst nach einer ziemlich strengen Fassselektion. Die Trauben kommen überwiegend vom Bisamberg, ein kleiner Teil vom Nussberg. Zunächst werden die Chardonnay-Partien gemeinsam in Barriques und 600-Liter-Fässern ausgebaut, mit rund 40 Prozent Neuholz. Erst nach 16 Monaten wird entschieden, welche Fässer genug Feinheit, Länge und Spannung für den Grand Sélect mitbringen. Diese ausgewählten Partien werden cuvéetiert und bleiben anschließend noch einmal rund sechs Monate länger im Fass. Spannend ist dabei, dass für den Grand Sélect häufig eher die größeren Fässer ausgewählt werden. Weniger direkte Holzprägung, weniger Süße aus dem Barrique, dafür mehr Ruhe, Präzision und Zug. Genau deshalb wirkt der Grand Sélect trotz der längeren Reife nicht schwerer, sondern im Gegenteil oft leichtfüßiger und feiner. Die Nase ist entsprechend kühl und präzise: Zitrone, heller Pfirsich und Birne, dazu feine Nuss, etwas Rauch und eine kreidige, steinige Mineralität. Das Holz bleibt im Hintergrund und gibt eher Struktur als Aroma. Am Gaumen kommt dann die eigentliche Klasse: viel Salz, viel Zug und deutlich mehr innere Spannung. Die Frucht bleibt saftig, aber alles läuft geradliniger und feiner. Heller Pfirsich, Zitronenzeste, etwas nussige Würze und darunter dieser kalkig-salzige Grip.,Der Grand Sélect ist eben nicht einfach der kräftigere Chardonnay, sondern die strengere Auswahl nach 16 Monaten Fassreife, genau daraus entstehen mehr Feinheit, Salzigkeit, Länge und Dramatik. Großer Wiener Chardonnay!