Manchmal braucht es einen großen Bruch, um danach etwas Großes zu schaffen. »Rumo« heißt auf Portugiesisch Kurs oder Richtung und genau das ist dieses Weingut: der bewusst neu eingeschlagene Weg eines Paares, das im Alentejo eigentlich schon alles erreicht hatte und trotzdem von vorn anfängt. Frischer, leiser und eigensinniger.
António Antunes und Marta Neto sind keine Quereinsteiger. Seit 2006 machen die beiden gemeinsam Wein, damals nahmen sie die Herausforderung von Antónios Familie an und bauten ein Alentejo-Weingut von Grund auf neu auf. Er kümmert sich um die Produktion, sie sich um Marke und den Auftritt. Aus diesen Jahren stammt auch eine Freundschaft, die heute das Herz von Rumo bildet: die mit António Maçanita, einem der umtriebigsten und einflussreichsten Winzer Portugals, der den beiden heute als Önologe und Berater zur Seite steht.
Drei Menschen, die sich seit zwei Jahrzehnten kennen, schätzen und herausfordern. Als das Paar nach einer einschneidenden Lebensphase beschloss, noch einmal ganz von vorn zu beginnen und ihre eigene Vision zu verwirklichen, war klar: Dieses Projekt konnte man nur zu dritt starten. Rumo wurde 2021 gegründet und der erste Jahrgang kam 2022 auf die Flaschen. Wer beim Alentejo an wuchtige, sonnensatte, marmeladige Rotweine denkt, wird hier überrascht. Antunes und Neto suchen das Gegenteil! Frische, unprätentiöse Weine, die ihre Herkunft zeigen, statt sie zu übertönen.
Die Trauben stammen von kleinen, sorgsam ausgewählten Parzellen mit rund 20 Jahre alten Reben, kultiviert im biologischen Anbau und im Trockenanbau (sequeiro), ohne künstliche Bewässerung. Die Böden sind sehr karg, arme Granitböden und steinige, magere Schieferlagen, die von Natur aus wenig Ertrag geben, prägen hier das Terroir und sorgen für kleine Mengen und viel Charakter in der Flasche.
Im Zentrum stehen die autochthonen Sorten Portugals, allen voran der Alicante Bouschet, jene Färbertraube, die fast überall auf der Welt verbannt wurde und einzig und allein im Alentejo ihr ideales Zuhause fand. Die Traube zeichnet sich vor allem mit enormer Tiefe in Farbe und schwarzer Frucht aus, was sie für Liebhaber quasi unersetzlich macht. Dazu kommen Touriga Nacional, die temperamentvolle Trincadeira, der würzig-erdige Castelão und Seltenheiten wie Tinta Caiada (auch »Pau-Ferro«), die heute kaum noch ein Prozent der portugiesischen Rebfläche stellt. Bei den Weißen führen Arinto, Roupeiro und Antão Vaz den Rebsortenspiegel an. Sorten, in denen die ganze aromatische Geschichte der Region steckt.
Maçanitas Handschrift zeigt sich nicht durch Stärke, sondern in der Zurückhaltung. Die Trauben werden von Hand gelesen und sortiert, per Schwerkraft in die Tanks geleitet, kalt vormazeriert und spontan mit den eigenen wilden Hefen vergoren. Beim Tinto folgt eine postfermentative Maischestandzeit von rund 22 Tagen, dann reift ein kleiner Teil ein halbes Jahr in gebrauchten französischen Fässern, der Rest bleibt im Stahl, damit die Frucht klar und die Säure lebendig bleibt. So entstehen Weine von konzentriertem Violett, mit schwarzer Frucht, einem krautig-floralen Hauch, ordentlicher Frische und festen, runden Tanninen. Die Sorten dürfen leuchten, wie es so schön auf Portugiesisch heißt: »deixamos as castas brilhar«.
Den Anfang macht eine kompakte, ehrliche Range aus Tinto, Branco und Rosé. Weine, die ihre Herkunft tragen und genau dort stattfinden, wo Trinkfreude und Anspruch sich treffen. Und es bleibt spannend: Weitere, ambitioniertere Linien stehen bereits in den Startlöchern und sollen die Palette von Rumo in den kommenden Jahrgängen vertiefen. Wer einem jungen Projekt dabei zusehen will, wie es einen ganz eigenen, frischen Kurs durch den Alentejo zieht, getragen von einem Paar mit Geschichte und einem Önologen mit Haltung, der wird an Rumo sehr viel Freude finden. Ein Anfang, dem man gern beim Wachsen zuschaut…






