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Im Portrait

Bien de Altura

Carmelo Peña Santana, der Kopf hinter Bien de Altura, kommt nicht wie üblich aus einer generationsübergreifenden Winzerfamilie. Aufgewachsen bei Mutter Juani und Großmutter Lola in Las Palmas, wollte er eigentlich ein eigenes Restaurant besitzen! Doch so kam es nicht, erst studierte er Chemieingenieurwesen, dann ging es in die Gastronomie, wo er zum Sommelier wurde, und schließlich in der Önologie im katalanischen Tarragona landete. Dort traf er Luis Pedro Cândido da Silva (heute Stillwein-Macher bei Niepoort) welcher ihn zur Lese ins malerische Douro lockte. Aus einer Vendimia wurden zwei Jahre bei Dirk Niepoort, danach folgte eine Station im Bierzo bei Legende Raúl Pérez. Wer bei diesen beiden gelernt hat, der hat die hohe Kunst des minimalistischen, terroirtreuen Weinmachens gesehen und genau das schmeckt man heute auch in seinen Weinen. 2017 kehrte Carmelo heim und gründete Bien de Altura mit einem fast übermenschlichen Ziel: das vergessene Weinpotenzial Gran Canarias wiederbeleben und die uralten, verlassenen Buschreben retten.

Bien de Altura: »Schmeckt nach Gran Canaria«

Der Hauptteil liegt rund um San Mateo im Nordosten der Insel, einst aufgegeben, heute das Herzstück des Weinbaus auf Gran Canaria. Steilste Hänge, wurzelechte Altreben (pie franco) in Buscherziehung, kultiviert zwischen 1100 und 1460 Metern Höhe. Hier oben bläst der frische, feuchte Nordost-Passat, und das berühmte Wolkenmeer, das »mar de nubes«, bleibt unterhalb der Reben hängen. Heißt: trocken genug für sauberen Bioanbau, kühl genug für straffe, alkoholarme Weine mit gerade mal 12,5 %. Die Böden sind reinstes Vulkangestein auf einer 14,5 Millionen Jahre alten Insel: orangefarbener Lavasand, »picón« (kleine Lavakiesel), Lehm und Ton dominieren hier das Terroir.

Carmelo arbeitet so puristisch, wie es nur geht: biologisch, teils biodynamisch, Spontanvergärung mit wilden Hefen, 100 % Ganztrauben-Anteil, lange Maischestandzeiten von 35 bis 45 Tagen – aber kaum aktive Extraktion. Sein Gedanke: Tannin über die Mazeration holen, nicht über Extraktion, um einen leichten Wein mit Tiefe zu bekommen. Sanfte Pressung, natürliche Klärung, unfiltriert und ungeschönt, kaum Schwefel. Ausbau in altem Holz und Inox. Das Ergebnis sind elektrisierende, salzig-mineralische Listán Negro mit betörender Frische und se in idigem, lichtem Körper. Ein unglaublich moderner, aber keineswegs jugendlicher Stil.

Die Weinauswahl Ikewen des Weinguts Bien de Altura

Einstieg ist »Ikewen« (Berbersprache für Ursprung) – die Dorf-Cuvée aus inzwischen sieben Höhenparzellen, ein absolutes Preis-Leistungs-Brett! Darüber thronen zwei winzige Einzellagen von denen nur etwa 1200 Flaschen produziert werden: »Sansofi« (Willkommen), Nordhang auf 1330 m Höhe, der straffste und mineralischste der Familie, sowie »Tidao« (Einheit), aus über 110-jährigen Reben auf Brekzie. Dieser zeigt sich unglaublich charmant, rotfruchtig und mit äußerst feinkörnigen Tanninen. Die neuen Etiketten tragen übrigens Berber-Schrift von der Hand seiner Großmutter, hier steht Familie im Mittelpunkt. Wer erleben will, wie aufregend, frisch und feingliedrig kanarischer Rotwein heute sein kann und wer einem der ganz großen Newcomer von morgen schon heute begegnen möchte, der wird an Bien de Altura sehr viel Spaß finden. Solange man an die wenigen Flaschen überhaupt noch kommt…