Der Weinort Sancerre ist das ikonische Aushängeschild der Loire.

Im Überblick

Weinregion Sancerre

Obwohl der Weinort Sancerre geographisch eher Richtung Ursprung des Flusses im Inland – und damit einem Randbereich der Weinregion – liegt, ist Wein aus Sancerre der Inbegriff des Loiretals. Nicht weniger grandios, nur weniger bekannt, sind der Nachbar Pouilly-Fumé und die vielen anderen tollen Gemeinden, wie etwa Manetou-Salon, rund um das Sancerrois. 

Sancerre Weinberge mit Blick auf Dorf auf Hügel

Sauvignon Blanc als Resonanzkörper der Böden

Rund um die pittoreske Gemeinde, die auf einer Hügelspitze liegt, graben sich die Sauvignon Blanc-Reben tief in die Ton-Kalk-Mergelböden, die oft eher dem Chablis ähneln als anderen Teilen der Loire. Der limettige, mundwässernd-saftige und stahlig-mineralische Weinstil des Sancerre war und ist Vorbild für fast alle der besten Sauvignons Blancs der Welt. Was Sancerre vom Rest der oberen Loire unterscheidet, ist die ungewöhnlich hohe Konzentration von Feuerstein – hier Silex genannt – in den Böden, der den Weinen aus Sancerre eine unverwechselbare Mineralität und vibrierende Anmutung verleiht.

Der 2008 bei einem Hobby-Flugzeugabsturz verstorbene, wohl legendärste Winzer der Region, das Enfant Terrible Didier Dagueneau, hat sogar seinen Flagship-Wein nach diesem Silex-Boden benannt. Allerdings wächst dieser nicht in Sancerre, sondern der ähnlich gearteten Nachbargemeinde Pouilly-Fumé. Sauvignon Blanc kann – je nach Klimazone, Bodenart und Exposition – ein kaleidoskopartig komplexes Spektrum an Aromen entwickeln. Von grasig-vegetal-grün bis hin zu tief-gelbfruchtig-exotisch kann der Sauvignon Blanc alles abdecken. Was den Wein aus Sancerre stets von allen anderen Weinen dieser Sorte abhebt, ist sein intensiver, karger, beizeiten fast bissiger, intensiv steiniger Kern, der die Weine aus Sancerre so sehr prägt. Wie viel der Charakter der Weine mit den Böden der Region zu tun hat, kann jeder selbst erfahren, der versucht einige Weine aus Sancerre und Chablis in einer Blindprobe ganz definitiv voneinander zu unterscheiden. Kein leichtes Unterfangen – trotz völlig anderer Rebsorten.

Sauvignon Blanc kann – je nach Klimazone, Bodenart und Exposition – ein kaleidoskopartig komplexes Spektrum an Aromen entwickeln.

Nur Insidern und intimen Fans der Region dürfte bewusst sein, wie großartig Sancerre auch in rot und rosé sein kann. Die mergeligen Böden, die sich mancherorts gar nicht so sehr von denen des Burgunds unterscheiden, bringen finessenreiche, saftige Pinot Noirs hervor. Einige kommen dabei ebenso stahlig, frisch und mineralisch daher wie die Weißweine aus Sancerre. Auch die Rosés warten mit atlantischer Frische auf und geben – neben dem Muscadet – sicher mit die besten Begleiter zu Sea Food ab. Sehr gastronomische Bistroweine – aber mit einem Hang zur Größe!

Weltklasse in Wein und Ziegenkäse

Tatsächlich ist es nicht nur der Gemeinde Sancerre selbst, sondern auch einigen umliegenden, gestattet, diesen Namen auf dem Label zu tragen. So wie etwa Bué oder Chavignol, aus der mit der kleinen Knolle »Crottin de Chavignol« auch einer der bekanntesten und besten Ziegenkäse Frankreichs stammt. Übrigens auch eine herrliche Kombination mit den hiesigen Sauvignon Blancs. Bevor Wein aus Sancerre seinen weltweiten Siegeszug begann, waren vor allem Käse und gemischte Landwirtschaft die Haupteinnahmequellen der Region. Lässt man den Blick über die sanften Hügel der Landschaft schweifen, finden sich auch heute noch viele Getreide-, Sonnenblumen- oder Rapsfelder zwischen den Rebflächen – zumindest abseits der großen Weingemeinden um Sancerre und Pouilly.

Die Region ist mit ihrem ruhigen, ländlichen Charme und den alten Bauernhäusern eigentlich ein krasser Kontrast zu den vibrierenden, enorm spannungsgeladenen, ja fast elektrisierenden Weinen aus Sancerre.