Venetien trennt die Spreu vom Weizen. Mehr und mehr Top Weinberge werden ausgewiesen um Qualitätsliebhabern den Weg zu weisen.

Im Überblick

Weinregion Venetien

Venetien ist die Region rund um die Stadt Verona im Nordosten Italiens. Einige der bekanntesten Weinnamen des Landes kommen von hier: Amarone, Soave, Valpolicella.

Schon Waverly Root beschrieb das Essen von Venedig in Die Küche in Italien, dass »nirgendwo anders Leber mit Zwiebeln so raffiniert schmeckt, und nirgendwo anders hat Polenta diese zarte Textur.« Im Gegensatz dazu ist der einfache Beitrag Veronas zur großartigen Küche Italiens »Bollito Misto«, ein rustikal gekochtes Fleischgericht. Dieser Sinn für Stil, eine »Faszination mit der Fassade« in Venedig ist laut Root genau das was Venezien für die meisten Besucher definiert. Wo Verona super und organisiert ist, ist Venedig chaotisch. Diese Gegensätze gibt es genauso in der Weinwelt. Auf der einen Seite macht Venetien Amarone, einen der einzigartigen Rotweine der Welt, und auf der anderen Seite ist es unter den größten Produzenten von einfachen, sauberen, aber auch belanglosen Massenweinen in Europa.

Venetien Weinlandschaft

Große Klasse kommt aus dem Herzen der Region

In dieser Weinregion der Gegensätze muss man also schon etwas tiefer gehen, um die spannendsten Weingüter Venetiens zu finden. Prosecco, Soave, Valpolicella und andere berühmte Appellationen wurden auf die eher flachen, fruchtbareren Ebenen rund um die ursprüngliche Region herum ausgeweitet. Es ist daher in Venetien empfehlenswert sich auf die Qualitätsweingüter der Region zu berufen. Meist sind diese im Zentrum ihrer jeweiligen Appellation und gehören zu den Erzeugern, die dieser ursprünglich zu ihrem guten Ruf verhalfen. Pieropan und Roberto Anselmi sind seit Jahren die Vorreiter in Soave, wo sie im ursprünglichen Hügelland Weine erster Klasse produzieren, während Dal Forno, Quintarelli und Tedeschi zu den Besten Rotwein Produzenten der Region gehören.

Venetien Olivini

Die Wegweiser zu den besten Weinen Venetiens

Fast 30 Prozent von Venetiens Wein kommt aus einer einzigen DOC: Soave. Und kaum eine DOC polarisiert so viel und gab jemals so viel Grund zur Diskussion. Seit ihrem Beginn wurden alle Parameter immer mal wieder angepasst, von der Menge, die produziert werden darf zu den Rebsorten und nicht zuletzt der Grenze der DOC selbst. 1927 war zum Beispiel das Einzugsgebiet ursprünglich nur vom Vulkan- und Basaltboden einer schmalen Hügelgruppe im Osten von Verona um die Dörfer Soave und Monforte d’Alpone. Schon 1968 gab es von größeren Weingütern Druck die Region zu vergrößern und so kamen mehr als 4000 Hektar Rebland dazu. Genossenschaften kontrollieren heute den größten Teil der produzierten Menge. Daher kann es natürlich schon sein, dass Ihnen vielleicht schon mal ein belangloser Soave ins Glas kam – aber Weine die aus dem ursprünglichen Gebiet kommen sind durchaus komplex und machen dazu auch noch Spaß. Zudem wurden 2019 auch 33 Soave Crus, die Weinbergslagen mit dem besten Terroir der Region, formal ausgewiesen. Hauptrebsorten ist die lokale Garganega zusammen mit Trebbiano di Soave.

›Classico‹ ist das Zauberwort Venetiens, und wenn es auf dem Etikett steht, kommt der Wein aus dem ursprünglichen Herzstück der Region.

Ein durchaus wichtiger Hinweis beim Weißwein-Botschafter Soave und dem dazugehörigen Rotwein-Pendant Valpolicella, der vielleicht einer der unterbewertesten Weine Italiens ist. Denn auch hier gibt es tolle Weine.

Auch der Begriff »Superiore« macht vor allem bei Rotweinen nochmal einen erheblichen Unterschied was die Konzentration des Weines anbelangt. Es wird ein Grad mehr Alkohol und längere Flaschenreife verlangt. Zum Beispiel hat Valpolicella Superiore 12% Alkohol und muss mindestens ein Jahr reifen, bevor er in die Flasche kommt, während einfacher Valpolicella mit 11% Alkohol meist nach nur wenigen Monaten in den Verkauf kommt und leicht und easy-drinking ist.

In Amarone di Valpolicella und Recioto della Valpolicella erreicht die Komplexität der regionalen Weine dann aber ihren absoluten Höhepunkt.

Venetien Olivini

Venetien ist wahrscheinlich die einzige Weinregion der Welt, in der trocken ausgebaute Weiß- und Rotweine in beachtlichen Mengen aus getrockneten Trauben hergestellt werden.

In den meisten anderen Regionen ist diese Methode Süßweinen vorbehalten. Recioto kann sowohl trocken als auch süß sein und sowohl weiß als auch rot. Die Trauben werden im »Appassimento« Prozess im Fall von Amarone für drei Monate lang getrocknet und vier Monate im Fall von Recioto bevor sie dann anschließend fermentiert werden. Da die höhere Konzentration an Zucker in den getrockneten Trauben fast komplett trocken vergoren wird ist Amarone di Valpolicella einer der körperreichsten Rotweine der Welt. Amarone wird mindestens zwei Jahre lang im Holz ausgebaut und ähnlich wie im Piemont gibt es hier auch Modernisten (beispielsweise Dal Forno), die neues Barriques verwenden, um ihren Weinen mehr Dichte und mehr Würze zu verleihen, während die Traditionalisten (beispielsweise Giuseppe Quintarelli) in großen, neutralen Slawonischen »Botti« ausbauen. Amarone Riserva muss mindestens vier Jahre gereift werden, bevor er auf den Markt kommt.

In Venezien muss auch Italiens beliebtester Schaumwein, Prosecco, erwähnt werden. Er ist Welten vom mit der klassischen Flaschengärung (metodo classico) hergestellten Franciacorta der benachbarten Lombardei entfernt. Die autochthone Rebsorte Glera wird meist im Tank vergoren, um unverfälschte, frische Fruchtaromen in den Vordergrund zu stellen. Spumante hat mehr Fizz, während Frizzante nur leicht auf der Zunge prickelt. Auch diese Region wurde 2008 massiv vergrößert, um die weltweite Nachfrage zu stillen. Achten Sie auf »Conegliano Valdobbiadene« – die beste Zone, wo der Hügel Cartizze mit seinen »Grand Cru« Lagen Rive und Cartizze selbst als die beste Lage gehypt wird.

Venetien Landschaft