Apuliens Weinbau hat Potenzial ohne Ende. Die drei Rotweintrauben Primitivo, Nero di Troia und Negroamaro sind die Helden auf dem außergewöhnlichen Terroir.

Im Überblick

Weinregion Apulien

Apulien ist die Weinbauregion, die auf dem Stiefelabsatz Italiens liegt und sich entlang der Adriaküste und dem Ionischen Meer erstreckt. Die Gegend ist wohl die flachste in Italien, mit weit ausgedehnten Ebenen und wenigen niedrigen Hügeln. Landschaftlich könnte der Kontrast zu den Nachbarregionen Basilikata und Molise wohl kaum größer sein, denn die sind von zerklüfteten Berglandschaften geprägt.

Vinosia Apulien

Potenzial ohne Ende

In den fruchtbaren Ebenen Apuliens gibt es viel ertragreichen Weinbau, und mengenmäßig gehört die Region zu den wichtigsten Weinproduzenten in Italien. In Apulien ist alles größer als anderswo: Hier gibt es die größten Olivenbäume, die größten Weizenfelder und die größten Weinbergslagen. Ein Großteil der Weine Apuliens war zwar lange Zeit für die Herstellung von Wermut oder Destillaten bestimmt, aber wie in einigen anderen Regionen Italiens subventionierte die EU auch hier die Verkleinerung von Rebflächen, was dazu führte, dass die Weinproduktion der Region gegenüber ihrem Produktionshöhepunkt in den 1980er- Jahren erheblich schrumpfte. Trotzdem werden immer noch große Teile – fast drei Viertel – aller Weine von hier in weitaus berühmtere Weinregionen im nördlichen Italien oder gar nach dem Süden Frankreichs verschifft, um den Weinen vor Ort zu mehr Farbe und Power zu verhelfen. Einige der alten Rebanlagen aus den 1960er- und 1970er-Jahren, die nicht gerodet wurden, ergeben heute top Traubenmaterial. Die Böden der Region sind relativ konsistent und von außergewöhnlicher Qualität. Apulien hat seine eigene »Terra Rossa« - eisenhaltiger roter Lehm und Sand – ähnlich, wie sie auch im südaustralischen Coonarwarra zu finden ist. Der Reichtum an Mineralien verleiht dem Wein Power, während  der darunterliegende kalkhaltige Boden für ausgezeichnete Drainage sorgt – und auch dafür, dass ausreichend Säure in den Trauben erhalten bleibt.

Weinberg von Vinosia

Rebsorten Apuliens

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es in Apulien noch kaum Qualitätsweine auf DOC-Niveau. Aber seither hat sich hier viel bewegt. 2011 hat Apulien ganze vier DOCGs bekommen – italienische Appellationen, die die Herkunft von Weinen höchster Qualität garantieren. Und inzwischen zählt Apulien auch über 20 DOCs, eine Bezeichnung, die ebenfalls nur Qualitätsweine tragen dürfen. Viele dieser DOCs liegen jedoch dicht beieinander, und oft stellen ihre Weine nicht ausreichend starke Unterschiede zwischen den Appellationen dar. Leider wird es dadurch für Verbraucher nicht gerade leichter, eine Kaufentscheidung zu treffen, sondern eher komplizierter, Weinstile mithilfe der Appellation zu erkennen. Insgesamt ist die Qualitätsweinproduktion in der Region zwar stetig am wachsen, aber einfache Trinkweine überwiegen noch deutlich in Apulien. Ebenso wie in Sizilien gibt es hier mehr und mehr Investoren, die auf Qualität setzen, und die Region wird dadurch auch mehr und mehr zur verlässlichen Quelle von körperreichen, intensiven und würzigen Weinen, die trotzdem viel Geschmack für relativ kleines Geld liefern.

Heute weiß man, dass die Rebsorte identisch ist mit der beliebten Zinfandel aus den USA – und der Ursprung der Rebsorte liegt tatsächlich in Kroatien.

Die Rebsorten Apuliens

Weißweine spielen in Apulien eine klar untergeordnete Rolle, und der meiste Weißwein ist nicht für den Export bestimmt, sondern wird vor Ort konsumiert. Die körperreichen Roten werden im Großen und Ganzen hauptsächlich aus drei Rebsorten hergestellt. Die am häufigsten angebaute rote Rebsorte der Region ist Negroamaro, übersetzt heißt das so viel wie »Schwarz-bitter«. Die Rebsorte wird für ihre kraftvolle Struktur, ihren intensiven Geschmack und ihren großzügigen Alkoholgehalt geschätzt, sie hat eben diese typisch italienischen, bitter-herbalen Noten, die an Lakritze erinnern. Negroamaro ist Hauptbestandteil fast aller Rosso- und Rosato-DOCs auf der Salento-Halbinsel. 

Primitivo ist qualitativ vielleicht die wichtigste rote Rebsorte Apuliens. Heute weiß man, dass die Rebsorte identisch ist mit der beliebten Zinfandel aus den USA – und der Ursprung der Rebsorte liegt tatsächlich in Kroatien. Die DOCG-Weine aus der Primitivo di Manduria Dolce Naturale-DOCG sind süß, sie haben mindestens 50 Gramm Restzucker pro Liter und können dem Appassimento-Verfahren (dem Trocknen der reifen Trauben vor der Fermentation) unterzogen werden. 

In Castel del Monte im Norden Apuliens liegen die drei DOCG-Zonen Apuliens, in denen die dritte rote Rebsorte im Bunde, die ungewöhnlich aromatische Nero di Troia (manchmal auch Uva di Troia), mit ihrer tiefen Farbe die erste Geige spielt. »Castel del Monte Bombino Nero« ist die einzige DOCG Italiens, die ausschließlich dem Roséwein gewidmet ist.