Mit salzig-zupackenden Weißweinen aus der Rebsorte Albariño sind die Rías Baixas zur vielleicht besten spanischen Weißwein-Appellation geworden.

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Im Überblick

Weinregion Rías Baixas

Ganz im Westen Galiziens liegen die rund 4.500 Hektar Reben der Region, eingebettet zwischen Santiago de Compostela im Norden und der portugiesischen Grenze im Süden. Der Name der Appellation kommt von vier Buchten (Rías Baixas = Untere Buchten), die im Grunde nichts anderes sind als abgesunkene Flussdeltas. An deren Flanken stehen die besten Albariño-Weinberge Spaniens, umgeben vom maritimen Klima Galiziens auf kargen Granit- und Schwemmlandböden. Perfekte Bedingungen für salzig-frische Weißweine mit packender Säure und saftiger Aromatik.

Weinberg in Rias Baixas

Vier Buchten, vier Kühlhäuser

Wie riesige Kühlhäuser wirken die Rías Baixas. Auch im Hochsommer übersteigen die Temperaturen nur sehr selten die 30-Grad-Marke. Es ist ein extremes Klima, das sich auch in den hohen Niederschlagsmengen widerspiegelt. In Vigo liegen sie bei rund 1.900 Millimetern pro Jahr. Zum Vergleich: Im kühlen Moseltal fallen »nur« 800 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Auch deshalb wird an den Rías Baixas schon immer mehr auf Klasse denn auf Masse gesetzt. Typisch für die Region ist die Erziehung der Reben im Pergola-System. Mittlerweile wird jedoch auch immer mehr auf die Spaliererziehung gesetzt, wie man sie auch aus Deutschland kennt.

Die »Weiße vom Rhein«

Ergebnis sind die wohl frischesten Weißweine Spaniens aus der autochthonen Sorte Albariño, der »Weißen vom Rhein«, weil man früher davon ausging, dass sie mit dem deutschen Riesling verwandt ist. Albariño ist nach neueren Erkenntnissen aber wohl eher mit der nordportugiesischen Sorte Loureiro verwandt. Gerade im kühlen Atlantik-Klima der Buchten wird die Ähnlichkeit noch verstärkt.

Albariños Ähnlichkeit zum Riesling ist dennoch verblüffend: säurebetont, zitrisch und im Alter mit einem gewissen Petrol-Touch.

Epizentrum Val do Salnés

Die bekannteste Subregion bildet das Val do Salnés, das sich am Unterlauf des Flusses Umia befindet. Hier tummeln sich die Stars der Appellation, hier liegen die begehrtesten Weinberge. Schon 1707 wurde hier die Bodega Zarate gegründet, heute einer der Topstars der Appellation. Regisseur ist hier seit 2000 Eulogio Pomares, einer der talentiertesten Önologen Spaniens. Auch Rodrigo Mendez, bekannt von Forjas del Salnés hat sich im Val do Salnés mit einem eigenen Mini-Projekt niedergelassen. Nur einen Weißwein und einen Rotwein macht er – beide unfassbar gut.

Condado de Tea, eine zweite Subregion, liegt direkt an der portugiesischen Grenze bei der Stadt Pontearas. O Rosal, die wärmste Region der Rías Baixas, grenzt westlich an Condado. Ribeira do Ulla ist die nördlichste der fünf Subregionen, sie liegt südlich von Santiago. Soutomaior schmiegt sich 20 Kilometer nördlich von Vigo an den Fluss Verdugo an. Alle Regionen werden stark vom atlantischen Klima beeinflusst, aber nicht überall liegt der Fokus eindeutig auf Albariño. Vor allem in Ribera do Ulla setzt man auch viel auf rote Sorten, unter anderem auf die autochthone Caino, die sehr elegante, rotfruchtige, Pinot-artige Weine hervorbringt. Caino ist auch ein Hauptakteur in der roten Cuvée von Rodrigo Mendez.

Albariño

Riesiger Ideenreichtum

Die Hauptmusik spielt in der Appellation Rías Baixas aber klar im Val do Salnés, wo sich vieleIdeen der modernen spanischen Weinbauszene – so verrückt sie auch sein mögen – konzentrieren. Vom längeren Hefelager über Experimente mit Barriques bis hin zum Ausbau in Fudern, Amphoren, Terracottas oder Granit-Tanks ist im Val do Salnés alles möglich. Dazu kommt das große Know-how der Winzer, die teilweise bei den Besten ihrer Zunft gelernt haben. Rodrigo Mendez war beispielsweise einst ein Schüler von Raul Pérez. Auch der Fokus auf bestimmte Terroirs und Parzellen wird immer deutlicher. Einzellagenweine sind keine Seltenheit mehr. Pazo de Señorans, einer der Altmeister der Albariño-Bereitung, war mit dem Tras los Muros ein Pionier der Single-Vineyard-Weine. Mit der Selection Anada entsteht bei Pazo auch ein richtiger Albariño-Grenzgänger: Mit fast acht Jahren Hefelager ist der Wein ein schmelzig-frisches Powerteil. Absolut faszinierend!

Wer das raue atlantische Klima kennt, kann sich ungefähr vorstellen, welche Weine an den Rías Baixas entstehen: frisch und saftig sind sie, immer mit einem typisch salzigen Touch, der alles noch aufregender macht, als es ohnehin schon ist. Albariño findet an den vier Buchten der westlichen galizischen Küste wohl seinen genialsten Ausdruck.