Das, was wir heute als Südtirol kennen, ist ein Land mit einer bewegten Geschichte.

Im Überblick

Weinregion Südtirol

Bevor sie 60 v. Chr. unter die Herrschaft des Römischen Imperiums fiel, wurde diese Region von den Rätern bewohnt, dem ersten urkundlich bekannten Volk im mittleren Alpenraum. Nach den Römern besiedelten die Bajuwaren diese Gegend. Daraus folgten die Hegemonien des Herzogtums Baiern, des Fränkischen Reichs und des Heiligen Römischen Reichs. Nach anschließender jahrhundertelanger selbst gewählter Zugehörigkeit zu den Habsburgern ging Südtirol nach dem ersten Weltkrieg aufgrund von Friedensverhandlungen von Österreich-Ungarn an Italien über. Das ist vor allem deswegen wichtig, damit man versteht, wie die kulturelle Identität und die bis heute überwiegende deutsche Sprache diese Region prägen.

Kühe im Weinberg von Foradori

Die Geschichte der Weinregion

Genauso bewegt ist die Geschichte des Weinbaus in Südtirol. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Weinbau hier schon vor 3000 Jahren betrieben wurde. Römische Quellen belegen den gegenseitigen Einfluss von Weinbau und Weinlagerung. So gibt es die Vermutung, dass der Transport in Holzfässern auf die Räter zurückgeht. Nachdem süddeutsche Klöster in der Region den Weinbau voranbrachten, begann die erste große Blütezeit des Weinbaus in Tirol unter den Habsburgern. In der neueren Geschichte hat sich nach den beiden Weltkriegen und den damit verbundenen politischen Veränderungen der Weinbau bis in die 1980er-Jahre zunächst sowohl durch Massenproduktion hervorgetan als auch konsolidiert. Aber seit dieser Zeit gab es ein starkes Umdenken hin zur Qualität, was sich heute unter anderem daran ablesen lässt, dass fast der komplette Weinbau unter die Bestimmungen der DOC fällt.
 

Um die 20 verschiedenen Sorten wachsen in den Weingärten Südtirols

Geografie und Geologie

Geografisch und geologisch gesehen ist Südtirol extrem vielfältig. Die hier natürlich dominierenden Südausläufer der Alpen werden von einzigartigen Tälern durchbrochen. Dazwischen finden sich sonnige Weinberge, die in einem ganz speziellen, fast inselartigen Klima beste Voraussetzungen finden. Dazu kommt eine erdgeschichtlich begründete Unterschiedlichkeit der Böden, die ebenso einzigartig ist. Gletscherschliff, Urmeeresgrund, Lehmböden und Kalkablagerungen, über 150 verschiedene Gesteinsarten wurden bisher nachgewiesen. Innerhalb von wenigen Hundert Metern kann sich die Zusammensetzung des Bodens bereits verändern. Um Bozen herum haben wir vulkanischen Porphyr, im Eisacktal und im Vinschgau prägen Quarz und Schiefer das Gestein und in Richtung Dolomiten dominiert der Kalk. Neben dem besonderen Klima sind diese verschiedenen Böden vor allem auch ideal für die Diversität der Reben. Um die 20 verschiedenen Sorten wachsen in den Weingärten Südtirols.
 

Trauben von Alois Lageder

Autochthone Rebsorten

Insgesamt sind 36 % mit Rotweinreben und dementsprechend 64 % mit Weißwein bepflanzt. Hier sind es hauptsächlich internationale Rebsorten wie Pinot Grigio, Chardonnay, Weißburgunder oder Sauvignon Blanc, die das Bild prägen, aber auch die regional begrenzteren Reben wie Gewürztraminer und Kerner haben hier einen festen Platz. Bei den Roten setzt man auf Heimat. Vernatsch und Lagrein sind der ganze Stolz des Weinlands Südtirol.

Vernatsch ist hier schon seit dem 16. Jahrhundert heimisch. Es ist ein leichter Wein, der gerne auch leicht gekühlt Freude macht, weil er nicht so gerbstoffreich ist und vor allem durch florale Aromen besticht. Durch eine starke Ertragsreduktion konnte in den letzten 30 Jahren auch die Qualität deutlich angehoben werden. Er wächst zumeist am Kalterer See, um St. Magdalena in Bozen und im Meraner Raum. Je nach Subregion kommt er mit leicht anderer Betonung aus dem Glas …

Lagrein ist der kraftvolle Gegenpart des Vernatsch. Er war in der Region schon fast ausgestorben, konnte aber durch die Leidenschaft der Südtiroler Winzer vor allem um Bozen herum zu neuer Größe gebracht werden. Er fällt viel fülliger, seidiger und tief-fruchtiger aus. Würzige Noten, fruchtige Beeren, Kirschen und Veilchen sind seine Markenzeichen. Durch den obligatorischen Ausbau im Eichenfass bekommt er sein elegantes und volles Mundgefühl.
 

Die Qualität in Südtirol stimmt immer. 98 % der gesamten Anbaufläche fallen unter die DOC-Bestimmungen

Land der Genossenschaften und Leuchttürme

Die Qualität in Südtirol stimmt immer. 98 % der gesamten Anbaufläche fallen unter die DOC-Bestimmungen - so viel wie in keiner anderen Weinregion Italiens. Das liegt sicherlich auch an den vielen hervorragend arbeitenden Genossenschaften. Es gibt nur wenige Wein-Landstriche, die so geprägt sind von Genossenschaften wie Südtirol und wo gleichzeitig auch die Gesamtqualität so konstant hoch ist, wie z. B. bei der Cantina Terlan. Andererseits sind Sozietäten in der Regel auch kein Innovationsmotor und so muss man Ausschau halten nach den herausragenden Leuchttürmen der Region. Und die gibt es.

Da haben wir grandiose Ausnahme-Winzer wie Manni Nössing oder Heinrich Mayr vom Nusserhof und auch solche wie Martin Gojer vom Mini-Boutique-Weingut Pranzegg, die komplett neue Wege beschreiten. Aber wir kommen nicht umhin, von DER Weinlegende Südtirols zu reden. Alois Lageder hat es mit seiner Familie in den letzten fünfzig Jahren geschafft, die ganze Vielfalt Südtirols mit all der Tradition in seine Weinauswahl zu transformieren. Dieser Betrieb spiegelt Tradition und Innovation, Handwerk und Nachhaltigkeit wie kein zweiter wider. 

Südtirol wurde in der Vergangenheit oft unterschätzt, dabei ist es eine traditionelle und stolze Weinregion. Der richtige Weg ist geebnet und das Beste steht womöglich noch aus …