Im Portrait

Baron Longo

Baron Longo Anton mit Heiner Lobenberg im Weinberg

Anton lernte von der Pike auf den Weinbau auf der Universität und profitierte nicht wenig von seiner engen Freundschaft zu Clemens Lageder und fast noch mehr von der biodynamischen Beratung seines engen Freundes Emilio Foradori. Das Visionärtum hat Anton vielleicht von seinem Urgroßvater Felix Anton Longo mit in die Wiege gelegt bekommen. Qualitätsweinbau in Südtirol wurde nämlich im 20. Jahrhundert erst durch die Bildung von Genossenschaften möglich gemacht. Zu fragmentiert war der oft sehr kleine Grundbesitz vieler hunderter Traubenbauern, für die es damit beinahe unmöglich war, ihren eigenen Wein auf die Flasche zu bringen. Felix Anton war Gründungsmitglied der ortsansässigen Kellereigenossenschaft in Neumarkt, und stieß die Weinproduktion hier an. Anton selbst ist gewissermaßen ein Quereinsteiger im Weinbau. Bei all den Möglichkeiten im Familienbetrieb, zu welchen ihn seine Eltern begeistern wollten – vom in Südtirol fast allgegenwärtigen Obstanbau über Viehzucht zur Pferdehaltung, welcher Antons Schwester mit Begeisterung nachgeht – war für ihn selbst von Anfang an klar, dass seine Leidenschaft dem Wein galt. Die feinsten Weißweine der Welt wurden zu seinem Vorbild, und so hat Anton sich die Messlatte haushoch gesetzt.

Anton schrieb sich zunächst an der Uni in Bozen zum Studium der Önologie ein. Während einiger Auslandssemester in Portugal, Wien und Montpellier saugte er eifrig all das technisch notwendige Wissen das zur Weinbereitung benötigt wird auf. Als er seinen Sohn 2011 zurück nach Südtirol holte, hatte Antons Vater jedoch andere Pläne. Anton sollte ebenso wie es seine Eltern selbst und auch schon seine Großeltern getan hatten, Trauben an die Genossenschaft verkaufen. Antons Überzeugung, Drive und Vision, großartigen Wein selber zu machen, stießen zunächst auf Skepsis. Sein Vater war anfänglich tatsächlich gar nicht so begeistert vom Tatendrang seines Sohns! Daher durfte Anton nach seiner Rückkehr zunächst erstmal zwei Hektar Rebfläche von seinem Vater pachten. Unbeirrt nahm Anton alle Geschicke selbst in die Hand. Mit einem Bankkredit baute er sich seine Kellerausstattung auf. 2012 übernahm Anton dann den landwirtschaftlichen Mischbetrieb von seinem Vater und verpachtete den Obstbau. 2015 war es dann endlich soweit – nach einem beinahe 100-jährigen Intermezzo, während dem die Trauben der Familie an die Genossenschaft verkauft wurden, kam endlich der erste Wein unter dem Namen der Familie Longo auf die Flasche! 
 

Seit 2017 arbeitet er biologisch dynamisch – aus Überzeugung, dass nur in Einklang mit der Natur große Weine entstehen können.

Kompromisse, was die Qualität angeht, macht Anton niemals. Kein geringerer als Pierre Millemann, Chefberater der legendären Domaine de la Romanée Conti im Burgund, berät auch ihn. Die Qualität wurde – wie zu erwarten war – rasant und Jahr um Jahr beeindruckender. Genug Beweis dafür, dass sich der zielstrebige junge Winzer auf dem besten Weg befindet. Mit dem Jahrgang 2019 übernahm Anton dann die gesamten 20 Hektar Rebfläche seiner Familie. Inzwischen bringt er ungefähr 80.000 Flaschen Wein pro Jahr auf die Flasche. Seit 2017 arbeitet er biologisch dynamisch – aus Überzeugung, dass nur in Einklang mit der Natur große Weine entstehen können. Ab dem Jahrgang 2020 sind alle Weine biologisch und vegan zertifiziert. Ab dem Jahrgang 2023 werden alle Lagen Demeter-zertifiziert sein.

Im Frühjahr grasen Kühe und auch die Pferde von Antons Schwester in den Weinbergen, um diese mit ausreichend eigenem Kompost zu versorgen. Antons Herangehensweise könnte dabei nicht holistischer sein. Der Großteil von Antons Weinbergen liegt in Tallagen auf Kalkböden, auf circa 370 Höhenmetern, rund um sein Elternhaus. Dort, genauer gesagt in der Lage Schlossberg, tauchte auch 2020 ein schwarzer Monolith (ein Schelm, wer Böses dabei denkt, aber wieso erinnert der so an Stanley Kubricks “Odyssee im Weltraum”?) auf, welcher die Neugier Schaulustiger aus der ganzen Region weckte und vielleicht als Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Papa und Familie gedacht war. Durch Fallwinde aus den hohen Lagen gibt es hier große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. An manchen Tagen sind das Unterschiede von bis zu 20 Grad Celsius! Ideale Voraussetzungen für die über 35 Jahre alten Reben, die Trauben langsam und ebenmäßig zu voller Geschmacksintensität ausreifen zu lassen. 

Die vielleicht spannendste Weinbergslage des Guts ist die 3,5 Hektar große Parzelle »Schornhof«, die auf alpinen 1.050 Höhenmetern, hoch über allen anderen Weinbergslagen des Tals thront.

Die vielleicht spannendste Weinbergslage des Guts ist die 3,5 Hektar große Parzelle »Schornhof«, die auf alpinen 1.050 Höhenmetern, hoch über allen anderen Weinbergslagen des Tals thront. Zwar gehören die Reben offiziell zur Gemeinde Montan, aber die Parzelle liegt inmitten des faszinierenden Naturparks Trudener Horn, weit weg von jeglicher Zivilisation, abgesehen von dem kleinen, pittoresken, ehemaligen Kapuzinerkloster Gschnon. Schon auf der Fahrt nach oben haben wir kein Mobilfunknetz mehr. Oben herrscht klar wahrnehmbar echtes Cool Climate. Zudem gibt es einen noch größeren Unterschied zwischen Tages- und Nachttemperaturen als in den Tallagen. Insgesamt ist diese Lage schon echt beeindruckend marginal. Angesichts des Klimawandels und stetig steigender Temperaturen war Anton auf der Suche nach einer kühleren Lage. Hier hat er in einer echten Pionierleistung junge Chardonnay und Pinot Noir Reben gepflanzt. Bei seiner Rückkehr ins elterliche Weingut, 2011, wurde der Schornhof gekauft. Damals war die Lichtung unterhalb des Hofs von einer Streuobstwiese bedeckte. Anton setzte sich dafür ein, dort Reben pflanzen zu dürfen, was damals in der Naturpark-Zone nämlich noch nicht erlaubt war. Obwohl die Reben erst seit wenigen Jahren in Produktion stehen, kann man schon heute sagen, dass die kargen, hellgrauen Dolomitböden die mit Kalkadern durchzogen sind, zusammen mit dem kühlen Klima einfach unglaublich filigrane, feingliedrige Weine hervorbringen. Die zum Teil terrassierte Höhenlage in perfekter Südwestausrichtung hat eine Neigung von 45 Grad – das ist mit echt gnadenloser Knochenarbeit verbunden! Die zu drei Seiten von dichtem Bergwald umgebenen jungfräulichen Reben wurden noch nie mit chemischen Mitteln behandelt. Und das wird natürlich auch weiterhin so bleiben. Hier oben experimentiert Anton auch mit Kräutern, die er für seine biologisch-dynamischen Sprays verwenden möchte. 

Im Keller ist Anton eher »hands off«. Spontane Vergärung mit anschließendem Ausbau im Stahltank und hauptsächlich gebrauchten Fässern aus französischer Eiche. Gerne verwendet er dabei große Fässer mit nur minimalem Holzkontakt. Antons Weine sind durch kristalline Präzision, der Chardonnay und Weißburgunder auch durch eine spektakulär attraktive Reduktion geprägt. Die bedächtige Eleganz und Finesse ist einfach absolut beeindruckend. Und wenn man bedenkt, wie jung das Weingut noch ist, kann man die Vorfreude und Spannung wirklich kaum mehr unterdrücken. The future is bright!