Aus der Maremma kommen die Begründer der »Super-Tuscans«, Sassicaia und Tignanello. Die spannende Region zaubert trotzdem immer weitere Asse aus dem Ärmel.

Im Überblick

Weinregion
Maremma

Die Maremma erstreckt sich von Livorno an der Mittelmeerküste entlang bis zur Argentario-Halbinsel im Süden. Sie ist wohl das Gebiet in der Toskana, das in den letzten Jahrzehnten die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte – insbesondere um das im Norden gelegene kleine Dorf Bolgheri herum. 

Über 75 Prozent aller Weine hier sind rot, hauptsächlich aus Bordeaux-Rebsorten und Sangiovese hergestellt. Bei den Weißen ist Vermentino die wichtigste Rebsorte und die besten davon kommen aus kühleren Lagen in Küstennähe.

Maremma

In Bezug auf Weinproduktion ist die Region jedoch recht neu. Ein Großteil der südlichen Maremma war ein regelrechter Sumpf, bis Mussolini ihn in den 1930er-Jahren trockenlegte. Den Startschuss für den Wein-Erfolg gab Marchese Incisa della Rocchetta, dem Schöpfer des Sassicaia, als er einen Hektar Cabernet-Sauvignon-Reben von Château Lafite Rothschild im »San Guido« Anwesen seiner Frau – der sich eigentlich auf Rennpferde konzentrierte – anlegte. Ursprünglich waren diese Reben eigentlich nur für den Eigenverbrauch bestimmt.

Aber als der erste Sassicaia dann einfach vollkommen außergewöhnlich und von herausragender Qualität war, holten sich die Neffen des Marchese, Piero und Lodovico Antinori, ein Urteil von Professor Emile Peynaud, der Önologen-Legende aus Bordeaux. The rest is history – mit dem 1968er-Jahrgang kam der Sassicaia dann zum ersten Mal auf den Markt und es dauerte keine zehn Jahre, bis das Weingut auch schon Weltruhm erlangte. Antinoris Star-Önologe Giacomo Tachis war maßgeblich für den Erfolg Sassicaias verantwortlich – er wurde zum Vater aller Super-Tuscans. Wie viele andere dieser Super-Tuscans wurde Sassicaia, obwohl er zu den teuersten Weinen Italiens zählte, lange als IGT abgefüllt. 1994 wurde Sassicaia dann ein eigenes Gebiet innerhalb der Bolgheri DOC, und erst 2013 bekam es dann endlich seine eigene wohlverdiente DOC Bolgheri Sassicaia.

Val di Cornia und Suvereto in höheren Lagen im unmittelbaren Südosten von Bolgheri haben echtes Potenzial.

Einer der beste Cabernet Sauvignon, kommt ganz klar aus Bolgheri

Nach Sassicaias Erfolg dauerte es nicht lange, bis Piero Antinori mit Tignanello nachzog. Die bis dahin brach liegenden Felder der Region wurden nach und nach von Investoren aufgekauft, mit Reben bepflanzt und die Bolgheri DOC entstand nur wenig später. Angelo Gaja aus Barbaresco hat zum Beispiel sein Weingut Ca’Marcanda in einem Gebiet gegründet, das bereits von Le Macchiole und Grattamacco als hervorragend bestätigt wurde. Natürlich ist inzwischen allgemein anerkannt, dass Bolgheri neben Bordeaux, Kaliforniens Napa Valley, West-Australien und Chiles Maipo Valley zu den besten Regionen der Welt für Cabernet Sauvignon zählt.

Lese in Maremma

The future is bright ...

Das Aufregendste an der Maremma ist aber, dass es hier noch so viel neues Land zu entdecken gibt! Val di Cornia und Suvereto in höheren Lagen im unmittelbaren Südosten von Bolgheri haben echtes Potenzial. Hier im südlichen Teil der Maremma werden die besten Weine tatsächlich aber aus einer Majorität Sangiovese hergestellt. Die Gegend um Scansano hat natürlich auch vom Ruf des nahe gelegenen Bolgheri in der nördlichen Maremma profitiert und Investoren ziehen hier mehr und mehr nach, da Bolgheri selbst in den besten Lagen inzwischen schon recht dicht bepflanzt ist.

Trotz all dem Hype um die berühmten Namen der nördlichen Maremma gibt es hier im Süden auch immer wieder neue, spannende Entdeckungen. Wer abseits der großen Güter mit offenem Gemüt verkostet, wird gewiss mit der ein oder anderen total Überraschung belohnt.