Der rasante Aufstieg eines Newcomers
Der argentinische Winzer und Unternehmer Alejandro Bulgheroni erwarb 2015 das insgesamt 60 Hektar große Anwesen, das damals noch Greenock Farm hieß und mit 10 Hektar Rebfläche bepflanzt war. Mittlerweile sind es 43 Hektar Rebfläche, die in 37 Blocks unterteilt sind. Die jüngsten Parzellen wurden 2017 angelegt, während die ältesten 6 Hektar Reben bereits in den frühen 1950er-Jahren gepflanzt wurden. Zum Besitz gehört zudem ein historisches Steingebäude aus den 1850er-Jahren, das an die Ära der deutschen Siedler in Australien erinnert und mittlerweile liebevoll renoviert wurde.
Alejandro verliebte sich auf Anhieb in die sanft geschwungenen Hügel und konnte wenig später mit Amelia Nolan und Johnny Schuster im Weinberg die passenden Partner vor Ort für seine Vision vom eigenen Weingut in Australien gewinnen.
Ausbau auf Basis der vielschichtigen Böden
Die Herangehensweise des beeindruckenden Weinguts folgt dabei reiner Logik: Bei geologischen Untersuchungen durch den weltweit anerkannten chilenischen Spezialisten Pedro Parra, der als Wein-Ikone und Terroir-Experte gefeiert wird, wurden über 160 tiefe Löcher gegraben, Bodenproben genommen und analysiert. Die Böden des Weinguts wurden daraufhin in Parzellen kategorisiert und in einer detaillierten Terroir-Karte erfasst. Mit einer durchschnittlichen Größe von rund 0,3 Hektar wurden die »Polygone« zu terroirspezifischen Mikro-Parzellen. Einige davon wurden als Flaggschiff-Weine separat abgefüllt, während andere in Cuvées flossen, um deren Komplexität zu steigern.
Mithilfe von Mikro-Vinifikationen werden im Kleinstverfahren einzigartige Mikro-Terroir-Weine geschaffen.
Auf Basis dieser Parzellen werden die uralten Böden jeweils hochindividuell behandelt. Mithilfe von Mikro-Vinifikationen werden im Kleinstverfahren einzigartige Mikro-Terroir-Weine geschaffen. Das macht total Sinn und dennoch ist es einzigartig, denn die Kosten sind natürlich enorm.
Die deutlichen, faszinierenden Unterschiede im Charakter der Trauben von Rebstöcken, die nur wenige Meter voneinander entfernt stehen, sind absolut nicht abzustreiten und können hier durch das geologische Profil ihrer Parzelle erklärt werden.
Lebendige Böden sind der Kern der Philosophie
Natürlich wurde hier seit dem Kauf des Weinguts von Anfang an auf chemische Hilfsmittel verzichtet und biologischer – mittlerweile sogar biologisch-dynamischer – Weinbau betrieben. Ein Großteil des Grundbesitzes ist offiziell durch die NASAA (National Association for Sustainable Agriculture, Australia) zertifiziert und seit 2022 ist das gesamte Anwesen zudem Southern Cross Certified – ebenfalls eine offizielle, staatlich anerkannte Zertifizierungsstelle für biologischen und nachhaltigen Weinbau in Australien.
Selbst der Name des Weinguts »Alkina« ist ein Hinweis auf diese tiefe Verbindung zwischen Erde und Mond. Der Mädchenname der australischen Ureinwohner bedeutet so viel wie »Mond« oder »Mondlicht« und verkörpert den tiefen Respekt vor der Erde und den Kräften der Natur, mit denen das Weingut Hand in Hand arbeitet. Durch und durch authentische Weine können eben nur von gesunden Reben hervorgebracht werden, die auf lebendigen Böden wachsen. Solche Weine schaffen es dann immer wieder auf beeindruckende Weise, das Spiegelbild ihrer faszinierenden Herkunft in flüssiger Weinform zu verewigen.
Das Barossa Valley ist durch sein warmes, trockenes Klima mit stetigen Meeresbrisen am Nachmittag ohnehin perfekt für den Bio-Weinbau geeignet und die Alkina-Parzellen sind sogar besonders windig und liefern somit die besten Voraussetzungen, um das Risiko von Krankheiten im Weinberg zu minimieren.
»Während das Land zeitlos bleibt, sind wir Menschen nur kurze Besucher auf der Erde.« Dieses Wissen ist der Kern der Alkina-Philosophie. Das Team begegnet der Natur stets behutsam sowie mit tiefem Wissen und Verständnis, um das Maximum an Qualität aus dem Boden herauszuholen, ohne ihm dabei zu schaden. Das große Ziel ist es, die Böden und Ökosysteme in einem gesünderen und lebendigeren Zustand an die nächste Generation zu übergeben, als sie vorgefunden wurden.
Unser Traum war von Anfang an klar: Weine zu machen, die unsere Landschaft atmen und echte Typizität besitzen. Der legendäre Alberto Antonini hat uns damals die Augen geöffnet.
Er erklärte, dass man keinen Terroir-Wein aus einer Hydrokultur-Umgebung herstellen kann – einer Umgebung, aus der man alles Leben herausgespritzt hat, nur weil man Angst vor dem hat, was im Boden stecken könnte. Aus toten Böden entspringt nichts, was faszinierend schmeckt. Tote Böden machen toten Wein, sagte er. Das war für mich völlig logisch. Wenn man einen großen, wunderschönen Wein erschaffen will, muss man dem Land zuhören, es nähren und sich ihm ganz hingeben. Die Arbeit im Keller muss sozusagen unsichtbar werden, damit im Glas ausschließlich die Landschaft erstrahlt.
Unvorstellbare Artenvielfalt
Der kleine Bach »Greenock Creek« schlängelt sich wie eine lebenswichtige Arterie durch das Anwesen. Obwohl er in den heißen Sommermonaten meist austrocknet, vibriert und pulsiert es in seiner Nähe nur so vor Leben. Entlang des Bachufers wurde ein aufwendiges Renaturierungsprojekt durchgeführt, bei dem invasive Bäume und Sträucher entfernt wurden, um der heimischen Flora wieder Raum zu geben. Die vielen Pflanzenarten werden von einer kostbaren Wildbienen-Population bestäubt, und sobald ergiebige Winterregen den Teich im hinteren Teil des Anwesens auffüllen, lebt die Vogelwelt zusammen mit unzähligen Nützlingen rund um das Gewässer kurzerhand förmlich auf. Bei einer umfassenden Insektenstudie wurden 2017 unglaubliche 12.500 verschiedene Arten identifiziert! Das ist verrückt divers und auf dieser relativ kleinen Fläche schon beinahe unvorstellbar.
Mikroorganismen-Vielfalt im Weinberg
In jeder einzelnen Reihe werden »Cover Crops« (Gründüngung) gesät, um dem Boden Nährstoffe und organische Substanz zurückzugeben. Um den Unkrautwuchs zu regulieren, wird das Gras direkt unter den Rebstöcken abgemäht. Auf synthetische Chemie wird dabei, wie gesagt, voll und ganz verzichtet.
Hands-off im Keller
Die Trauben werden akribisch von Hand gelesen und in der kleinen, 1840 von der deutschen Familie Schulz erbauten Weinkellerei vinifiziert. Die originale Scheune, das Cottage und der Verkostungsraum wurden zehn Jahre später gebaut und das historische Haupthaus (The Homestead) um 1900. Diese mittlerweile liebevoll restaurierten Gebäude stehen inmitten des Rebenmeers, in dem sich die jungen Reben an die in den 1950er-Jahren gepflanzten alten Reben anfügen.
Im Keller steht ein Sammelsurium an Fässern: von tulpenförmigen Beton-Fermentern über Amphoren aus Ton direkt aus Italien und einer traditionellen Qvevri aus Georgien bis hin zu eleganten kleinen Betoneiern aus Frankreich und großen Holzfässern. Es wird jedoch nie neues Holz verwendet, denn das würde das reine Terroir überdecken.
Der Fokus wird ebenso wie in den Weinbergen auch im Keller darauf gelegt, die puristische Frucht und die jeweilige Identität der Parzelle zu konservieren. Das hohe Ziel des Alkina-Teams ist es, den »ehrlichsten Wein« aus dem Barossa Valley zur Perfektion zu begleiten. Dabei sollen die Entscheidungen im Keller in den Hintergrund treten, während das Terroir die Protagonistenrolle spielt. Das bedeutet unterm Strich also relativ einfaches Winemaking.
Die Trauben werden perfekt reif, aber nie überreif gelesen, daher müssen die Säurewerte der Rotweine so gut wie nie korrigiert werden und bei den Weißweinen garantiert niemals. Je nach Jahrgang wird ein kleinerer oder gerne auch größerer Anteil an ganzen Trauben, inklusive der Rappen, in den Gärtank gegeben. Das verleiht den Alkina-Weinen ihre faszinierende, würzige Komplexität und Struktur. Die Gärungen werden ausnahmslos mit den natürlichen, wilden Hefen der Trauben angestoßen und nur sehr behutsam extrahiert, um wiederum die Frische der Weine zu bewahren.
Alkina ist ein junges Weingut auf sehr altem Boden. Hier trifft eine enorme Leidenschaft für Wein und die Natur auf ein tiefes geologisches Grundverständnis und großartiges technisches Know-how. Zudem werden keine Kosten und Mühen gescheut, und Perfektion ist das Maß aller Dinge.








