Aber hier geht es nicht um Status, hier geht es um die absolute, fast schmerzhaft schöne Reinheit des Pinot Noir. Schmerzhaft sind dabei vor allem die Preise, die Roumiers Weine heute weltweit erzielen. Roumier liegt das Epizentrum von Chambolle-Musigny, in dem Kraft und Finesse in einer perfekten Symbiose verschmelzen.
Christophe Roumier ist kein Mann der lauten Töne oder der modischen Effekthascherei. Er ist ein penibler Beobachter, ein Philosoph des Bodens. Seine Philosophie ist entwaffnend simpel und doch so schwer zu kopieren. Im Weinberg wird mit einer Akribie gearbeitet, die an Besessenheit grenzt – organisch, ohne Zertifikat, aber mit tiefstem Respekt vor dem biologischen Gleichgewicht. Im Keller ist er ein Meister der Zurückhaltung. Ganztraubenanteile werden je nach Jahrgang und Parzelle mit chirurgischer Präzision entschieden, der Holzeinsatz ist dezent, fast scheu, um niemals die strahlende Frucht zu maskieren.
Mit dem Chambolle-Musigny Village ist schon der „Einstieg“ bei Roumier ein Monument der Eleganz. Ein Wein, der die kalkige Kühle des Terroirs perfekt einfängt. Seine Crus zählen zum Besten, was man im Burgund finden kann, da geht nur wenig daran vorbei.
Die Weine sind konzentriert, ja, aber sie fühlen sich auf der Zunge an wie flüssiger Samt, durchzogen von einer vibrierenden, salzigen Mineralität. Es ist diese Kombination aus einer fast berauschenden Fruchtsüße und einer messerscharfen Präzision, die diese Weine so begehrenswert macht. Sie sind niemals fett, niemals laut – und sie brauchen besonders viel Zeit und Geduld. Manchmal können sie sich über lange Phasen sehr verschlossen zeigen, aber wenn sie aufblühen, gibt es kaum Schöneres. Dann ist es nicht selten eine Begegnung mit der Perfektion.
