Im Portrait

Azores Wine Company

Der umtriebigste und ehrgeizigste ist er allemal, eine Art jugendliche Neuauflage des zigfachen Portugalmeisters Luis Duarte, dem er zu Beginn seiner Karriere gleich mal auf den Chefsessel des Alentejo Weinguts Malhadinha folgte. Anders als Luis war und ist biologischer Weinbau aber ein Dogma bei Antonio, dazu Erhalt und Wiederaufbau alter Weinlandschaften und die Verwendung und Förderung autochtoner Reben. 2004 gründete er als 23-jähriger mit seinem englischen Freund und Önologen David Booth das Weingut Fitapreta in Alentejo. Durch die Mithilfe seiner etwas jüngeren Schwester Joanna, einer studierten Önologin lernten die beiden Geschwister sich so positiv neu kennen und schätzen, dass sie bald als Team das Weingut Macanita am Douro gründeten. Nach seinem Önologiestudium durchlief Antonio mehrere Ausbildungs- und Karrierestationen u. a. im Napa Valley, bei d’Arenberg in Australien und im Château Lynch Bages in Bordeaux. Seinem portugiesischen Vorbild Luis Duarte folgte er zielstrebig, und bald schon wurde er selbst zum Weinmacher des Jahres 2016 gekürt. Schon 2014 kam die Gründung der Azores Wine Company mit seinen Partnern Filipe Rocha und Paulo Machado. Drei Freunde, die zutiefst mit den Azoren verbunden sind (Antonios Familie stammt da her) und ihre Leidenschaft teilen.

Das ist wie mit offenem Mund ins Meer zu laufen …

Die Vision: die Azoren, vor allem die Insel Pico, wieder zur Bekanntheit vergangener Zeiten zurückzubringen. Entstanden ist dieses Projekt unter anderem durch eine Kooperation der Weingüter Fitapreta und der Insula Vinus Lda von Paulo Machado, der schon auf Pico daran arbeitete, den autochthonen Weinen wieder Leben einzuhauchen. Nach der Gründung 2014 mit nur 10.000 Flaschen hat die Company heute ca. 100 Hektar Rebfläche und wird mittelfristig etwa 150.000 Flaschen im Jahr produzieren. Darüber hinaus arbeiten sie mit rund 20 lokalen Bio-Winzern als Traubenzulieferern zusammen. Im Mittelpunkt stehen die heimischen Rebsorten Arinto dos Açores, Terrantez do Pico, Verdelho und Saborinho. Die Azoren sind ein extremer Ort, um Wein anzubauen. Das Meer ist nur knapp 50 bis 300 Meter entfernt, dass heißt Meerwasserkontakt von oben und unten. Durch die Gischt von oben und von unten mischt sich das salzige Meerwasser mit Regen und Grundwasser. Die vulkanischen Böden machen es den Reben auch nicht gerade leicht, ihre Wurzeln in die Erde zu bekommen. Man hat eine Mischung aus Atlantik- und Inselklima mit sehr exklusiven Rebsorten. Um diese Einzigartigkeit der Natur, des Terroirs, auf die Flasche zu bringen, entschieden Antonio und seine Mitstreiter sich für minimalen Eingriff im Weinberg und Keller, aber auf absolut neuestem technischen Stand. Dabei immer ein Gespür für den Wein, sodass man die Kontrolle übernehmen kann, wenn es notwendig sein sollte. Das Ziel und das erreichte Ergebnis war und ist es, in einem Glas Wein die Azoren zu schmecken. Das ist wie mit offenem Mund ins Meer zu laufen … Oder Austernessen in weiniger Form. Einzigartig!