Im Portrait

Castello Romitorio

Betoneier als Tanks bei Castello Romitorio im Keller

In den 1970er Jahren kam es in den Besitz von Baron Giorgio Franchetti, eine Koryphäe der Kunstwelt und gleichzeitig begeisterter Restaurator historischer Gebäude. Nachdem er in diesem Fall seine Pläne für das Castello nicht verwirklichen konnte, verkaufte der Baron das Schloss 1984 als Ruine an den italienischen Künstler Sandro Chia. Für Sandro war von vornherein klar, dass es keinen besseren Weg gab, um dem Anwesen seinen alten Glanz zurückzugeben, als dort Wein nach dem Vorbild der besten Winzer der Region zu erzeugen. Durch die enge Verbindung von Sandro Chia zu Franco Martini, der damals Kellermeister des Castello Romitorio wurde, wurde das Gut also zugleich zu einer Kunstwerkstatt und einem angesehenen Weingut. Inzwischen ist schon die zweite Generation des Erfolgsduos mit Filippo Chia und Stefano Martini am Start, und beide leiten das Boutique Weingut stetig immer weiter bergauf, dem Qualitätsolymp entgegen.

Sandro Chia erstand das Castello zum richtigen Zeitpunkt, denn die 1980er-Jahre waren eine enorm spannende Zeit mit viel Drive im Brunello-Gebiet. 1982 wurde die Region zusammen mit Barolo und Vino Nobile di Montepulciano zu den ersten DOCGs Italiens erhoben, der höchsten Qualitätsauszeichnung des italienischen Appellationssystems. Tradition wurde mit Innovation verbunden, und die Position als »Heimat des authentischsten Sangiovese« wurde gefestigt. Dennoch überließ Sandro Chia die Erfolgsgeschichte des Castello Romitorio nicht dem Zufall. Die Weinberge wurden akribisch mit den besten Klonen von Rebstöcken Gianfranco Solderas und Biondi-Santis bepflanzt.

Weinberge von Castello Romitorio

Castello Romitorio befindet sich auf einem Hügel im Nordwesten der Montalcino Region und ist von einem kühleren Mikroklima geprägt. Es genießt auch weniger Sonnenstunden als der Rest der Appellation. Um die Weinberge herum befinden sich, soweit das Auge reicht, völlig unberührte Wälder auf den begehrten Galestro-, Ton- und Albarese-Böden, die mit Meeresfossilien durchzogen sind. Die Herangehensweise von Filippo und Stefano ist komplett ganzheitlich. Ihnen geht es nicht nur darum, großartigen Wein auf die Flasche zu bringen, sondern auch um den respektvollen Umgang mit der Schönheit der Natur.

2005 war nicht nur Filippos Einstieg ins Weingut, es war zugleich auch das erste Jahr im neuen Keller mit brandneuen, konischen Zementtanks. Er setzt unglaublichen Fokus darauf, alle Parzellen bei optimaler Reife separat zu lesen und auszubauen. Zudem wird seither mit Schwerkraft gearbeitet und der Wein wandert während des Reifeprozesses immer weiter nach unten in den Keller, schonend und mit so wenig pumpen wie nur möglich. Finesse, Raffinesse und Eleganz hielten Einzug, zusammen mit einer fabelhaften Ausdrucksstärke. 

Während der Brunello fast burgundisch anmutet, hat die Riserva schon nochmal wesentlich mehr Struktur und Dichte.

Filippo verwendet im Keller eine Kombination aus hauptsächlich großen Fässern von 20-55 Hektolitern verschiedenen Alters zum Ausbau seiner Weine. 20 Prozent des Kellers sind mit 500 Liter Tonneaux bestückt, die ebenfalls verschiedenen Alters und leicht getoastet sind.

Das Aushängeschild des Weinguts ist die Einzellage »Filo di Seta«, die höher gelegen und somit kühler ist. In ihren Weinen verbindet sich ganz besonders gut die berühmte Brunello-Power mit Finesse und Frische. Der »Filo di Seta« Riserva wird für ganze 36 Monate im 500 Liter Tonneaux ausgebaut, 20 Prozent davon sind neu. Das ist ein Wein mit unglaublich langem Reifepotential, der Jahr um Jahr an Komplexität zulegt. Castello Romitorios Brunello wird zu 80 Prozent in großen 20 bis 55 Hektoliter Holzfässern und in konischen 36 Hektoliter Fässern ausgebaut. Der Rest reift in gebrauchten Tonneaux. Der Brunello Riserva reift im besten 20 Hektoliter Fass des Jahrgangs und ein Teil auch in Tonneaux. Während der Brunello fast burgundisch anmutet, hat die Riserva schon nochmal wesentlich mehr Struktur und Dichte. RomiToro ist der Einstiegswein des Castello Romitorio. Der würzig, saftige Blend aus Syrah und Petit Verdot wird in Tonneaux ausgebaut, davon sind 10 Prozent neu. Das ist ein Preis-Leistungsknaller! 

Im Keller ist Sandros und Filippos Liebe zur Kunst allgegenwärtig. Er ist nicht nur für den Wein, der dort reift, sondern auch für die beiden selbst ein Ort des Ausdrucks und der Entfaltung. Im Haus wechseln sich Werke von Sandro Chia mit Kunstgegenständen der tausendjährigen Geschichte der Gegend ab. Amphoren, Skulpturen, römische Säulen. Was für ein magischer Ort!