Im Portrait

Gravner

Weinberge von Gravner mit Sonnenschein im Nebel

Joško Gravner ist eine – wenn nicht sogar DIE – Ikone der Naturweinbewegung. Was er im östlichen Friaul nahe der Grenze zu Slowenien produziert, ist einfach so besonders und einzigartig: Echte Terroirweine in ihrer ursprünglichsten Art. Orangeweine, die polarisieren und extrem eigenständig sind. Biodynamisch, alles immer ganz konsequent naturbelassen. Als Joško in den 1980er Jahren den über 300 Jahre alten Gutshof aus Familienbesitz übernahm, hätte er selbst nie damit gerechnet, einmal so einen Ruf zu haben.
 
Aktuell bewirtschaftet er mit seinem Team eine Gesamtfläche von 32 Hektar, wovon derzeit 15 Hektar Weinberge mit minimalen Erträgen sind. In den kommenden Jahren wird die Fläche auf 18 Hektar steigen. Das restliche Land besteht aus Wäldern, Wiesen und Teichen.

Bei Gravner versteht man es, die naturgegebenen Dinge optimal zu nutzen. Menschen sieht er dabei in der Verantwortung, die Natur zu unterstützen. So soll durch das Ausheben von Teichen mitten in den größten Weinbergen, das natürliche Gleichgewicht wiederhergestellt werden, was vorher durch intensive Landwirtschaft und Monokulturen zerstört wurde. Wasser bringt Pflanzen, Insekten und Tiere zurück in die Weinberge, die Voraussetzung für eine gesunde Umwelt sind.

Weinberg Gravner mit Rebzeilen

Man möchte hier zudem auf Dauer weg von internationalen, hin zu den autochthonen Rebsorten des östlichen Friaul. Die weiße Rebsorte Ribolla ist dabei das Steckenpferd: Sie eignet sich wegen ihrer dicken Schale besonders gut für eine lange Mazeration auf der Maische, wie sie bei Gravner in den Amphoren stattfindet. Ribolla ist recht botrytisanfällig; die mit Edelfäule befallenen Beeren werden aber bewusst nicht ausselektiert, da sie den Weinen ihre einzigartige Aromatik und Komplexität verleihen. Hier wird also Orangewein gemacht, schon lange bevor überhaupt darüber gesprochen wurde. Natürlich alles spontan, mit weinbergseigenen Hefen vergoren. Nach mehrmonatiger Maischegärung kommen die Weine ins Holzfass, wo sie meist mindestens sechs Jahre auf der Hefe verbleiben. Im Anschluss kommen sie unfiltriert auf die Flasche, wo sie noch weiter reifen. Frühestens nach 6 bis 8 Jahren, kommen sie dann endlich auf den Markt – trinkreif, aber eigentlich für die Ewigkeit gemacht.
 
Joškos Lebensweg kennzeichnet das ständige Streben nach einer plausiblen Wahrheit: einer Wahrheit, die von der lebendigen Erde ausgeht. Heute ist sein Keller außerdem frei von allem, was wir unter moderner Technik verstehen. Doch das war nicht immer so, denn anfangs war das Motto noch »Quantität und Qualität«, wofür er sich jede damals angesagte Weinbautechnik in den Keller holte. Die Ergebnisse überzeugten ihn nicht, was ihn dazu brachte, seine gesamte Arbeits- und Lebensweise zu überdenken. Er wollte Großes vollbringen, das war klar – seine Kellertechnik hat ihm dabei aber nicht geholfen. 

Keller Gravner mit Amphoren im Boden

So beschloss er in den 90ern zum Ursprung des Weinmachens zurückzukehren und fing konsequent an, nach und nach, all die überflüssig gewordene Ausrüstung wieder loszuwerden: angefangen bei Stahltanks, endend bei Barriquefässern. Stattdessen besorgte er sich große Holzfässer und traditionelle Amphoren aus dem Kaukasus für den Ausbau seiner Weine.
 
Das Ergebnis sind ultraspannende Weine, die ihresgleichen suchen: Enorm eigenständig, so charakterstark und authentisch wie Joško selbst. Unheimlich komplex und kraftvoll. Im Gegensatz zu einigen anderen »Naturweinen« wirken Gravners Weine durch den Schalenkontakt niemals uniform und strahlen – trotz dieser enormen Komplexität – immer eine unglaubliche Feinheit aus. Alles ist hier in perfekter Harmonie. Mit Gravner haben wir ein absolut inspirierendes Ausnahmeweingut in unserem Sortiment, welches noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist.