Das Weingut Biondi Santi wird weltweit als der ursprüngliche Erfinder des klassischen Brunello di Montalcino gefeiert. Die erste aufgezeichnete Erwähnung eines Brunello war Clemente Santis preisgekrönter Rotwein von 1865, der auf einer lokalen Messe im Jahr 1867 für derartige Begeisterung sorgte, dass er wenige Jahrzehnte später die Geschichte der Region positiv veränderte. Bis dahin waren Rebsortenverschnitte in der Toskana üblich und der Ausbau eines reinsortigen Sangiovese durchaus visionär.
Clementes Enkel Ferruccio isolierte 1888 aus einer brillanten Eingebung heraus den Sangiovese-Grosso-Klon und schuf somit den weltberühmten Brunello di Montalcino. Noch heute bildet der Klon BBS 11 (Brunello Biondi Santi 11) den Grundstock für viele der besten Weinberge der Region.
Mit dem Ziel den Jahrgang in ihren Weinen einzufangen, orientiert man sich bei Biondi Santi seit jeher mit viel Geduld und Hingabe an den individuellen Bedürfnissen der Weine selbst, aber natürlich auch an der eigenen Vision des Brunello. Die Weine benötigen viel Reifezeit und natürlich kein neues Holz, das die zarte Aromatik überdeckt.
Schon im Reifeprozess werden die höchsten Qualitätsansprüche umgesetzt. Durch diese kompromisslos traditionelle Herangehensweise geriet das Weingut mit seinen unglaublich eleganten Weinen beinahe etwas in Vergessenheit, als in den 1950er-Jahren Brunello zum Trend wurde und »lautere«, modernere Weinstilistiken Einzug hielten.
Die Tenuta Il Greppo
Das historische Familien-Anwesen, die Tenuta Greppo, ist südöstlich von Montalcino gelegen und kann sich mit großem Stolz auf die Fahne schreiben, mit dem Brunello nicht nur einen eigenen Weinstil erfunden zu haben, sondern auch bis heute unbeirrt an diesem Stil erfolgreich festzuhalten. Seit 1865 wird Brunello hier jedes Jahr gemacht.
Eine traditionsreiche Familiengeschichte
Clementes Tochter heiratete Jacopo Biondi. Der Sohn des Paares, Ferruccio, vereinte beide Namen der Eltern erstmals auf den Etiketten der Weine, als er das Anwesen erbte. Damals waren die Zeiten schwer. Sowohl der Echte Mehltau (Oidium) als auch die Reblaus bedrohten Anfang des 20. Jahrhunderts die einheimischen Weinbergslagen. Verständlicherweise lag das Erzielen von schnellem, sicherem Gewinn im Trend der schwer gebeutelten Weingüter. Ferruccio konzentrierte sich dennoch unerschütterlich auf den reinsortigen, langsamen Ausbau der hochwertigen Sangiovese. Auf Ferruccio folgte sein Sohn Tancredi, und auf Tancredi dessen Sohn Franco.
Als Brunello in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer beliebter und in viel größerem Umfang hergestellt wurde – wobei manche Erzeuger auf einen kürzeren Ausbau in kleineren Eichenholzfässern drängten –, blieb Franco Biondi-Santi ein überzeugter Verfechter des »echten«, traditionellen Brunello-Stils, den seine Familie seit über 100 Jahren geprägt hatte. Franco Biondi-Santi verstarb 2013 im Alter von 91 Jahren. Die französischen EPI-Gruppe investierte bereits 2016 in das Weingut und übernahm es 2020 schließlich vollständig. Neben dem renommierte Chianti-Classico-Weingut Isole e Olena, das 2023 erstanden wurde, ist Biondi-Santi der toskanische Diamant in der EPI- Krone.
Der seit 2017 angestellte Önologe Federico Radi leitet das Weingut im gleichen Stil weiter, wie er es zuvor in Anstellung für die Familie getan hatte. Die Seele dieser ikonischen italienischen Traditionsweingüter zu bewahren, ist das höchste Ziel der neuen Besitzer.
Die Arbeit im Weingut
Bis heute hat sich nicht viel an der Brunello-Produktion geändert: akribische Handlese, Gärung mit wilden Hefen der Weinberge, ausgedehnte Maischestandzeiten und 36 Monate Fassreife in großen slawonischen Eichenfässern. Der Grundsatz des historischen Weinguts war es seit jeher, herausragende Brunelli für die Ewigkeit zu erzeugen. Dazu gehört auch, dass man bei Biondi Santi den Weinen vor ihrer Freigabe auch noch eine deutlich verlängerte Reifedauer in der Flasche gönnt. So können sie ihre volle Balance, Komplexität und Finesse entwickeln und ihre unglaubliche Eleganz zum Ausdruck bringen. In besonders guten Jahren legt Biondi Santi auch eine Brunello Riserva auf. Hierzu werden Trauben der ältesten, bis zu 80 Jahre alten Weinberge selektiert.
Gleichzeitig verführerisch und aristokratisch zähmen diese Weine sogar die jungen Wilden und lassen sie niederknien vor derartig geballter Eleganz im Glas. Das ist Stoff, wie er nur Legenden gelingt, mit einem Reifepotenzial von bis zu 100 Jahren. In den Kellern des Weinguts existieren heute noch Flaschen der Riserva von 1888!


