Perrier-Jouët ist die Geschichte einer visionären Familie, die nicht nur den Stil des Champagners revolutionierte, sondern mit der legendären Cuvée Belle Époque ein zeitloses Gesamtkunstwerk schuf.
Pierre-Nicolas Perrier, ein leidenschaftlicher Winzer und Korkenproduzent, heiratete Rose-Adélaïde Jouët, die Tochter eines Calvados-Herstellers. Gemeinsam gründeten sie das Haus an der heute weltberühmten Avenue de Champagne. Von Beginn an prägte das Paar eine unkonventionelle Sicht auf die Natur und das Streben nach kompromissloser Qualität. Ihr Fokus lag früh auf der Rebsorte Chardonnay, die bis heute die florale, feine und mineralische Signatur des Hauses bestimmt.
Unter der Führung ihres Sohnes Charles Perrier kreierte das Haus im Jahr 1846 den ersten bewusst trocken ausgebauten Champagner der Geschichte – später bekannt als Cuvée K. Dieser »Brut«-Stil revolutionierte den damals von süßen Weinen dominierten Markt und machte Perrier-Jouët zum offiziellen Hoflieferanten von Königin Victoria, Napoleon III. sowie den Königshäusern von Schweden und Belgien.
Die Identität von Perrier-Jouët ist untrennbar mit der Epoche der Belle Époque und dem Art Nouveau (Jugendstil) von etwa 1890 bis 1914 verbunden. Die Geschichte der prestigeträchtigsten Cuvée des Hauses gleicht einer filmreichen Wiederentdeckung.
Im Jahr 1902 beauftragten Henri und Octave Gallice, die damaligen Leiter des Hauses und passionierte Kunstsammler, den berühmten Glaskünstler Émile Gallé – Mitbegründer der École de Nancy und Ikone des Art Nouveau. Gallé sollte eine Flasche entwerfen, die den floralen, lebendigen Stil des Champagners visuell verkörpert. Er bemalte vier Magnumflaschen per Hand mit weißen, japanischen Anemonen, umrandet von feinen Goldlinien.
Obwohl das florale Design ein Meisterwerk war, erwies sich die industrielle Umsetzung im frühen 20. Jahrhundert als zu komplex und kostspielig. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und dem Ende der tatsächlichen Belle-Époque-Ära gerieten die vier Originalflaschen in Vergessenheit. Sie überdauerten mehr als sechs Jahrzehnte verborgen in den tiefen Kreidekellern des Hauses in Épernay.
Erst im Jahr 1964 stieß der damalige Kellermeister André Baveret bei der Suche nach einer adäquaten Ausstattung für eine neue, herausragende Prestige-Cuvée wieder auf die historischen Flaschen von Émile Gallé. Das filigrane, florale Kunstwerk passte perfekt zum eleganten, Chardonnay-geprägten Charakter des Spitzenjahrgangs 1964.
Im Jahr 1969 wurde die erste Cuvée Belle Époque aus dem Jahrgang 1964 offiziell der Weltöffentlichkeit präsentiert.
Die feierliche Enthüllung fand im legendären Pariser Restaurant L'Alcazar anlässlich des 70. Geburtstages der Jazz-Legende Duke Ellington statt. Der Champagner – auf dem amerikanischen Markt auch als »Fleur de Champagne« berühmt geworden – avancierte binnen kürzester Zeit zu einer der weltweit begehrtesten und am schnellsten wiedererkennbaren Luxus-Ikonen.
Das historische Erbe wird im Hause Perrier-Jouët bis heute lebendig gehalten. Die Maison Belle Époque in Épernay, das ehemalige Wohnhaus der Gründerfamilie, wurde detailgetreu restauriert. Es beherbergt heute die weltweit größte private Sammlung französischen Jugendstils im Originalkontext – darunter einzigartige Möbel und Kunstwerke von Meistern wie Gallé selbst, Louis Majorelle und Hector Guimard.







