Gamay wirkt meist frisch, durch die anregende Säure und das dezente Tannin. Gleichzeitig sind die Weine meist unglaublich saftig und machen einfach Spaß.

Im Überblick

Region Beaujolais

Die Unehrenhafte, Verkannte, verbannt durch Philipp den Kühnen. Stets im Schatten des Pinot Noir und nicht gewollt. Dies ist ein etwas theatralischer Einstieg in die Thematik Beaujolais. Die Rede ist natürlich von der Traube Gamay. Zum Glück gehört diese furchtbare Vernichtung der Rebsorte der Vergangenheit an. Dennoch wurde der Bestand nach 1395 von 160.000 Hektar und damit 10 Prozent der Rebfläche ganz Frankreichs auf 36.000 dezimiert. Davon befinden bereits 22.500ha im Beaujolais. Sprich auf seiner ganzen Fläche. Um genau zu sein, es gibt auch 204 Hektar Chardonnay in der Region. Und wer diese Rarität einmal probieren will – was man durchaus sollte – der wende sich zum Beispiel an Jean Paul Brun mit seiner Domaine Terres Dorees. Aber wir wenden uns heute der Rebsorte zu, für die das Beaujolais besonders berühmt ist: Dem Gamay Noir.

DAS VERFÜHRERISCHE AROMA DER GAMAY TRAUBE

Charakteristisch für die Rebsorte ist ihr Duft nach roten Früchte, wie Himbeeren und Erdbeeren, sowie ihre subtile Würze. Oft erinnert das Aroma an Pfeffer oder auch Cassia Zimt. Sie wirkt meist frisch, durch die anregende Säure und das dezente Tannin. Gleichzeitig sind die Weine meist unglaublich saftig und machen einfach Spaß, um es mal ganz weit  zu fassen. Natürlich hängt es wie immer von vielen Faktoren ab, in welcher Form sich der Gamay zeigt.

Der Gamay besitzt die tolle Eigenschaft, sein Terroir bestens auszudrücken.

Wie bei Immobilien, ist die Lage entscheidend

Einer dieser Faktoren ist natürlich die Lage in der die Trauben wachsen. Die gesamte Appellation Beaujolais ist das am weitesten gefasste Gebiete und stellt auch den niedrigsten Rang der Qualitätspyramide der Region dar. Im Süden wachsen die Reben dort auf lehmig-kalkigen Böden und im Norden auf Schwemmland. Wenn man sich mehr auf den Osten und Südosten fokussiert, dann rutscht man quasi in die zweite und mittlere Stufe der qualitativen Abstufung: Beaujolais Village. Hier weisen die Böden höhere Granit-Anteile auf, sind insgesamt saurer und enthalten nur noch sehr wenig Lehm. Am nördlichen Rand des Village-Gebietes finden sich die zehn berühmten Crus. Diese können noch in zahlreiche Lieux-Dits – also Einzellagen – aufgeschlüsselt werden. Der Gamay besitzt die tolle Eigenschaft, sein Terroir bestens auszudrücken. Deshalb ist es gar nicht so schlecht, ein wenig über die einzelnen Orte Bescheid zu wissen. Außerdem kann man dann mit seinem Weinwissen brillieren. Also aufgepasst. Wir beginnen im Norden und wandern nach Süden.

Terres Dorees

Die Vielfalt der Crus des Beaujolais

Der Cru Saint-Amour steht für intensive und warme Weine. Die Aromenwelt ist geprägt von Gewürzen, Kirschen und Veilchen. Im anschließenden Juliénas ist interessant, dass der Granit-Anteil im Boden eher gering ist, dieser aber insgesamt aus vielen Gesteinsarten zusammengesetzt ist. Die Ausrichtung der Hänge zur Sonne hin lässt die Weine intensiv und ausdrucksstark erscheinen. Ziemlich ebenbürtig zum Namensgeber der Lage: kein geringer als Gaius Julius Caesar. Fazit: Fühle dich wie ein Kaiser, dann trinke Beaujolais. Mit gerade einmal 250 Hektar, ist Chenas die kleinste Appellation, mit fast 50 Prozent Granit-Anteil. Klein, aber oho. Der Saft aus den dortigen Trauben besitzt Aromen von Rosen und Blaubeeren. Die Tannine sind schmeichelhaft und ihre Säure ist frisch. Nach einer Windmühle getauft ist der Cru Moulin à Vent. Gut zu wissen ist, dass sich der Name nicht auf etwaigen Landkarten wiederfindet, sondern die Reben auf zwei Standorte verteilt sind. Nämlich Chénas und Romanèche-Thorins. Noch besser zu wissen ist, dass man die Weine von dort exzellent lagern kann. Sie zählen eher zu den fleischigen und würzig-floralen Exemplaren. Wer nach filigranen, leichtfüßigen Weinen Ausschau hält, der wird fündig im südlich anschließenden Fleurie. Bereits der Name erinnert an duftende Blumen. Sogar der Boden dort nennt sich rosa oder grauer Granit. Ein richtiges Märchen dieses Beaujolais, oder?

Weiter im Programm. Der rosa Untergrund zieht sich bis zum folgenden Chiroubles. Mit 410 Metern das Höchste der Gebiete. Die Temperaturen sind dementsprechend etwas kühler, was den Gamay dort säurereicher und das Endprodukt schlanker dastehen lässt. Im Kontrast dazu steht wiederum das riesige Morgon, dessen Output richtig Power, Tiefgründigkeit und Substanz hat. Weglegen erwünscht! Regnie, die nächste im Bunde, zeichnet sich durch ihre schöne Fruchtigkeit und die mineralischen Anklänge aus. Mit ihr sollte man wohlwollend umgehend. Schließlich ist sie der jüngste Cru. In der letzten AOP Bouilly wachsen die Reben an den Hängen des Mont Brouilly auf blauem Schiefer und Granitboden. Einen Wein, der eigentlich so gar nicht dem typischen Frucht-Prolet-Image des Beaujolais entspricht, macht dort die Domaine du Vissoux. Eher Steinig mit Schiefernoten und einer ultrafeinen Säure. Langsam kommt man schon drauf. Dieser südlichste Zipfel des Burgunds hat ordentlich Potential.

Moulin A Vent

Die Hochburg der Maceration Carbonique

Neben den verschiedenen Terroirs, geht es zu einem weiteren Faktor. Wohl DEM des Beaujolais überhaupt. Die Kohlensäuremaischung oder maceration carbonique. Jetzt reden wir auch vom berüchtigten Beaujolais Nouveau, auch Primeur genannt. Dies ist ein extrem fruchtbetonter und leichter Wein, welcher immer am dritten Donnerstag im November des gleichen Jahren aus den Markt kommt. Durch diese werden die Weine nämlich so wunderbar fruchtig und so super fresh. Die ganzen, meist unversehrten Gamay Trauben kommen nach der Lese in einen Behälter. In der Regel aus Stahl. Dieser wird dann mit CO2 (also Kohlensäure) begast. Nun erfolgt die Gärung unter gänzlich sauerstofffreien Bedingungen. Zu Beginn gären die Trauben intrazellulär. Die Farbstoffe der Schale wandern in die Zellen des Fruchtfleisches. Die Trauben sind innen dann komplett farbig. Es entstehen spezielle Aromen wie intensive Noten nach Zimt, Bananen oder Rumtopf. Bei etwa 2% vol. Alkohol platzen die Trauben auf und die Gärung geht “normal” weiter. Das Resultat ist ein Wein, der wenig Tannin hat, sehr hochwertig sein kann und oft einer Fruchtbombe gleicht.

Um so besser! So lange man auf die im Keller schlummernden Beaujolais Crus wartet, könnte man sich mit den Nouveaux vergnügen. Wenn man jetzt bisschen nachdenkt, merkt man: Wenn jemand so ewig über EINE Traube und EIN Gebiet erzählen kann, dann sollte man sich das doch das einmal genauer anschauen. Beaujolais for President.