Im Portrait

Reichsrat von Buhl

Reichsrat von Buhl produziert bezaubernd finessenreiche Rieslinge aus den berühmtesten Lagen der Pfalz und vielleicht die besten Sekte Deutschlands. Die Sekte sind in den letzten Jahren zu einer Konstante im Schaumwein-Universum geworden. Die Rieslinge haben eine viel längere Tradition. Kaum ein anderes Weingut spiegelt die Vergangenheit Deutschlands und des deutschen Weinbaus so wider wie Reichsrat von Buhl. 

In dieser Zeit wird wohl auch Otto von Bismarck ein Liebhaber des Forster Ungeheuers. 

Eine lebendige Historie

Seine Entstehung geht auf die Nachwehen der Reformation zurück, die Europas Geschichte über viele Jahrhunderte geprägt hat. Denn den Grundstein legte Andre Louis Jordan, später Andreas Ludwig Jordan, ein hugenottischer Flüchtling aus Savoyen, der Anfang des 18. Jahrhunderts nach Deutschland gekommen war. 1711 war Jordan in der Pfalz angekommen, zunächst im südlichen Teil, 1718 schließlich in den Mittelhardt. Mit viel Arbeit und etwas Glück bei der Familienplanung, die romantische Liebesheirat kannte man damals noch nicht, entstand ein sehr großes Weingut, welches vor allem viele der allerbesten Lagen in den besten Gemeinden besaß. Vor gut 170 Jahren wurde das Jordan’sche Weingut, unter den drei Töchtern aufgeteilt und erlebte, da alle drei verheiratet waren, einen Namenswechsel. Benannt wurde das Gut nach Franz Peter Buhl, dem Enkel Jordans. Dessen Sohn Armand übernahm das Weingut und er wurde durch seine Aktivitäten und sein Wissen zu einer der wichtigen Persönlichkeiten des deutschen Weins, er wird zu dem in den Reichstag gewählt. In dieser Zeit wird wohl auch Otto von Bismarck ein Liebhaber des Forster Ungeheuers. 

Armand war Mitbegründer sowie Präsident des deutschen Weinbauvereins, der Vorläufer des heutigen VDPs. Armand wird vom bayerischen König geadelt, die Pfalz gehört damals noch zu Bayern. Sein Sohn Franz Eberhard übernimmt das »von« in den Namen des Weinguts. Buhl ist in dieser Zeit so prominent, dass Buhl’sche Weine bei der feierlichen Eröffnung des Suez-Kanals getrunken werden. Franz Eberhard vergrößert das Weingut durch Heirat noch einmal erheblich. Leider fällt er im Ersten Weltkrieg. Seine Witwe Frieda Piper, aus einer bekannten Forster Winzerfamilie stammend, leitet das Weingut anschließend alleine. Die Weine verlieren nicht an ihrem Glanz und Ruf, unter Frieda Piper werden die Qualitäten noch verbessert.

Entsprechend dem Testament Franz Eberhards gelangt nach dem Zweiten Weltkrieg das Gut in den Besitz der fränkischen Adelsfamilie zu Guttenberg. In Folge der Bewirtschaftung der zu Guttenbergs verkleinern sich die Flächen erheblich. Den zu Guttenbergs folgen noch andere Besitzer und Betreiber nach bis schließlich 2005 Achim Niederberger das Weingut erwirbt. Der Besitz in den besten Forster, Deidesheimer und Ruppertsberger Lagen blieb aber erhalten. Diese Weinberge sind das Pfund, mit dem der Weingutsleiter und Kellermeister Gregor Hofer wuchert. Freundstück, Reiterpfad »Hofstück« und das Ungeheuer sind ursprünglich Lagen im Buhl’schen Alleinbesitz. Das durch Buhl geformte Renommee konnten sich durch die Flurbereinigungen seit den siebziger Jahren auch andere Weingüter zunutze machen.  

Man kann als Genießer Teil der vor uns liegenden Reise sein 

Ein »who is who« der besten Lagen

Seit 2019 ist nun Gregor Hofer für die Weine verantwortlich. Waren in der jüngeren Vergangenheit die trockenen Rieslinge oft kompromisslos, so ist es nun Gregor Hofers Ziel, die unterschiedlichen Lagen und Klimata in ihrer Eleganz zu interpretieren. Die Weine sind nicht aufdringlich wie die mancher Stars in der Pfalz und sonst wo in Deutschland. Sie kommen auf leisen Sohlen daher, verleiten aber mit Ihrer Raffinesse zum genauen Hinschmecken, sie gehen ihren eigenen Weg, dies gilt besonders auch für die Sekte. Und dies in einer Zeit, die auch von einer Heerschar von traurigen Kopisten geprägt ist. Hofer hat eigene Pfade eingeschlagen und das kann er sich auch trauen, denn die Vielfalt der Weinberge gibt dieses eigentlich schon vor. Die Phalanx der Riesling GGs ist beeindruckend und liest sich wie ein »who is who« der besten Lagen der Pfalz: Kirchenstück, Freundstück, Jesuitengarten, Kieselberg, Reiterpfad und Pechstein. Bei den Sekten kann das ganze Potenzial der Weinberge erst noch entdeckt werden. Es tut sich viel bei von Buhl und das Schöne ist, man kann als Genießer Teil der vor uns liegenden Reise sein. Wenn man sich auf die Buhl’schen Weine einlässt wird man belohnt, denn es gibt unheimlich viel zu entdecken.