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Im Portrait

Weingut Heiligenblut

Seit dem Jahr 1924 befindet sich das Weingut im Besitz der Familie Hannemann. Alles begann mit Urgroßvater Leonhard, der das Gut erwarb, sowie der Großmutter Ingeborg Hannemann. Nach dem frühen Tod ihres Mannes führte sie den Betrieb über viele Jahre mit Mut, Hingabe und Beharrlichkeit weiter. Als weinfremde Norddeutsche und alleinerziehende Mutter hielt sie ihren Kindern alle Möglichkeiten offen und legte damit das Fundament, auf dem die heutige Geschichte von Heiligenblut aufbaut. Die Brüder Christian und Martin Hannemann führen das Gut heute in vierter Generation. Das Weingut ist somit ein Ort der tiefen Verwurzelung, an dem Herkunft, familiäre Verantwortung und die Freiheit, Neues entstehen zu lassen, untrennbar miteinander verbunden sind.

Der Mythos des Ortes gründet auf einer Legende um den Hunnenkönig Attila aus dem fünften Jahrhundert und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Märtyrern und Weinbergen, zwischen Dichtung und Wahrheit.

Die faszinierende Geschichte spiegelt sich bis heute in den drei prägenden Gebäuden – der Kapelle, dem Turm und der Villa, die das Zentrum des Gutes ist – wider.

Große Weine entstehen nach Überzeugung des Weinguts weder aus maximaler Kontrolle noch aus völligem Loslassen, sondern aus der Harmonie von Fluss und Führung. In den Weinbergen wird zertifiziert biologisch gearbeitet. Im Keller ist es eher ein hands-off-Ansatz, aber keine Naturwein-Idee, sondern durchaus mit gekonntem menschlichen Eingriff, der dem Wein Richtung und Stabilität verleiht, ohne ihm seine Lebendigkeit zu nehmen. Den speziellen Charakter von Heiligenblut erhalten die Weine auch durch ein gezieltes Einsetzen von Schalenkontakt, viele Weine bekommen eine Maischestandzeit im eigenen Saft vor der Spotangärung. Ein ausgedehntes Hefelager, also der Faktor Zeit und die intensive Entwicklung mit der weineigenen Hefe, ist ein weiterer entscheidender Faktor in diesem Betrieb. In der Regel werden die Weine ohne Schönung und Filtration abgefüllt, weil sie durch den längeren Ausbau auch meist naturstabil sind.

Die Weinberge des historischen Betriebes liegen im südwestlichen Rheinhessen rund um Alzey. Während in Weinheim vulkanische Melaphyr- und Sandsteinböden den Charakter der Weine prägen, wachsen die Reben in Heimersheim auf tiefgründigem Kalkstein.

Im Zentrum des Weingutes steht die Monopollage Heiliger Blutberg. Die Geschichte dieses Ortes reicht ebenfalls bis ins fünfte Jahrhundert zurück und Weine aus der Lage knüpfen an eine große Tradition aus dem 19. Jahrhundert an, als sie auf Versteigerungen bereits Höchstpreise erzielten.

Der Heilige Blutberg wird von einem für die Gegend seltenen, schwarzen Vulkangestein durchzogen, dem Melaphyr.

Diese Böden findet man eher an der Nahe als in Rheinhessen. Heiligenblut ist hier ein Terroir-Bruder von Wagner-Stempel, zwei Weingüter, die in Rheinhessen ein Alleinstellungsmerkmal haben. Die Reben auf dem Blutberg sind bis zu 70 Jahre alt und wurzeln auf einer nur sehr dünnen Erdauflage. Was Heiligenblut aus dieser Lage herausholt zählt zu den spannendsten und eigenwilligsten Rieslingen und Silvanern überhaupt.

Die Weine dieses Weingutes sind sehr besonders und anders als nahezu alles, was es sonst so in Rheinhessen gibt. Heiligenblut ist mit der herben, fordernden Art eher nichts für Einsteiger, sondern für Insider, die das Besondere suchen.