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Im Portrait

Ebner-Ebenauer

Die Basis für alles liegt draußen. Alte Reben, teils 50, 60 oder sogar über 70 Jahre alt, dazu ein erstaunlich kleinteiliges Mosaik aus Lagen und Böden rund um Poysdorf. Genau dieser Schatz macht Ebner-Ebenauer so besonders. Hier geht es nicht um den nächsten unkomplizierten Weinviertel-Veltliner, sondern um Tiefe, Herkunft und maximalen Ausdruck.

Viel mehr als nur Löss

Die Weinberge verteilen sich rund um Poysdorf sowie auf Ketzelsdorf, Kleinhadersdorf und Wilhelmsdorf. Ein echter Glücksfall: Die Landschaft wurde hier nie komplett flurbereinigt. Statt endlos glattgezogener Rebflächen gibt es Böschungen, Bäume, kleine Rückzugsräume und viele unterschiedliche Expositionen.

Auch geologisch ist das deutlich spannender als das klassische Weinviertel-Klischee. Löss und Lehm treffen auf Kalk, fossile Sedimente, Kies und Schotter. Und genau diese Unterschiede sollen im Glas nicht verschwinden, sondern möglichst deutlich rauskommen. Grüner Veltliner steht natürlich im Zentrum. Bei Ebner-Ebenauer bekommt aber nicht jede Parzelle sofort einen großen Lagennamen. Einzellagen werden erst dann separat gefüllt, wenn die Reben mindestens rund 30 Jahre alt sind. »Alte Reben« beginnt nochmals eine Stufe darüber. Das ist keine Marketing-Spielerei, sondern ziemlich konsequent gedacht: Tief verwurzelte Reben liefern weniger, aber eben deutlich mehr Ausdruck.

Ebner-Ebenauer

Die Ried Hermanschachern ist eine der wichtigsten Lagen. Unter der warmen Lössauflage liegt stark kalkhaltiges Material mit fossilem Kalk. Die Weine daraus wirken deshalb weniger breit als vielmehr salzig, würzig und mineralisch gespannt. Die Ried Bürsting spielt eine andere Karte. Schwere Lehmböden bringen mehr Körper, Druck und Würze. Das ist satter, aber nie plump.

Noch spannender wird es in der Ried Sauberg, heute 1ÖTW Erste Lage. Hier trifft Schotter auf Lehm, die Reben stammen teilweise aus den frühen 1960er Jahren. Der Schotter zieht den Wein straff und kühl, der Lehm bringt Substanz und Tiefe. Genau diese Kombination aus Kraft und Zug ist ziemlich typisch für Ebner-Ebenauer.

Auch die Ried Alte Geringen ist zentral. Auf stark kalkhaltigen Löss-Lehm-Böden stehen unter anderem sehr alte Reben von Weißburgunder, Chardonnay und St. Laurent. Gerade die Burgundersorten bekommen hier erstaunlich viel Kühle und Präzision und liefern zugleich die Basis für einige der großen Schaumweine des Hauses.

Ebner-Ebenauer

Alte Reben, wenig Schminke

Seit 2016 werden die Weinberge biologisch bewirtschaftet, seit 2020 biodynamisch. Gelesen wird ausschließlich von Hand, selektiert bereits draußen im Weinberg. 

Im rund 400 Jahre alten Gewölbekeller wird dann möglichst wenig herumgeschraubt. Vieles läuft über Schwerkraft, vergoren wird spontan, je nach Wein im Edelstahl oder in gebrauchten größeren Holzfässern. Dazu kommen Maischestandzeiten und lange Hefelager. Holz soll Struktur geben, aber nie laut werden.

Das Ergebnis sind keine wilden Naturweine und auch keine auf maximalen Effekt getrimmten Kraftpakete. Ebner-Ebenauer steht für Präzision mit Tiefgang. Die Weine haben Reife, Extrakt und Würze, bleiben aber immer erstaunlich frisch, salzig und straff. Keine süße Frucht, keine unnötige Schwere, sondern Textur, Spannung und Herkunft.

Ebner-Ebenauer zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie groß Weinviertel sein kann, wenn man alte Reben, starke Lagen und kompromisslose Arbeit ernst nimmt. Marion und Manfred machen keine lauten Weine, aber verdammt charaktervolle. Und genau deshalb gehört das Weingut heute zu den spannendsten Adressen Österreichs.