Hinter dem Projekt steht Anikó Stich, Agraringenieurin und Weinakademikerin, die ihre Jahre sowohl bei namhaften Winzern als auch in großen Getränkekonzernen verbracht hat. Zwei Welten, die selten zusammenfinden, aber genau in dieser Spannung ist Soléance entstanden. Stich wollte einen Sekt, der bei minimalem Alkohol nichts von dem aufgibt, was einen großen Schaumwein ausmacht . Diese Frage ließ sie über Jahre nicht los: Was wird aus dem Sekt, wenn man das Handwerk wirklich respektiert, aber ihn zugleich auf die scheinbar modernen Trinkengewohnheiten zuschneidet? Die Antwort wächst in Rheinhessen, in einer kühlen Einzellage, ausgebaut bei einem der besten Sekthäuser des Landes: dem Hause Raumland. Hier reift biologisch angebauter Pinot Noir, dem die frischen Nächte, die Säure und den floralen, kühlen Ton bewahren, die für große Schaumweine so unglaublich wichtig sind. Klingt nach Champagne, ist im Kern auch derselbe Gedanke, nur eben mit deutschem Spätburgunder, kühl gelesen und absolut sauber gearbeitet.
Der Kniff im Keller
Im Keller passiert hier die Magie. Der Grundwein vergärt erst einmal ganz normal durch. Dann nimmt man ihm behutsam und temperaturgeführt einen Teil des Alkohols, schonend genug, dass Duft und Frucht an Bord bleiben. Und erst danach kommt der eigentliche Clou: die zweite Gärung in der Flasche, ganz nach klassischem Vorbild. Sie legt rund anderthalb Prozent Alkohol wieder drauf, baut den Druck in der Flasche auf und schenkt dem Wein die weiche, feinperlige Mousse, wie sie nur die Flaschengärung so unvergleichlich hinbekommt. Mindestens 15 Monate liegt er danach auf der Hefe, länger, als Champagne und Cava verlangen. Das schmeckt man: Brioche, Tiefe, Struktur, alles da. Nur eben mit fünf Prozent. Aktuell gibt es zwei Weine, beide reinsortiger Pinot Noir. Der Brut, ein Blanc de Noirs, ist der gradlinige, mineralische: Zitrusaromen und knackiger Apfel dominieren aromatisch , dazu der salzig-brotige Hefeton und eine straffe Säure, die das Glas in Bewegung hält. Der Brut Rosé bekommt nach Champagner-Art einen Schuss stillen Pinot Noir und fällt eine Spur runder aus: gelbe Mirabelle, Orangenblüte, Quitte, rote Johannisbeere, fülliger am Gaumen, aber mit demselben kreidigen Biss zum Schluss. Wer ernsthaften Schaumwein liebt, aber den Abend nicht immer zu den “voll-alkoholischen” Alternativen greifen will, wird an Soléance richtig viel Freude haben.
