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Im Portrait

Martin Müllen

1986 von Martin und Susanne Müllen gegründet, wird das Gut heute als reiner Familienbetrieb geführt. Eine entscheidende Säule für die Zukunft ist Sohn Jonas Müllen, der im Jahr 2018 fest in den Betrieb eingestiegen ist. Gemeinsam stellt die Familie sicher, dass das historische Wissen und die extrem aufwendigen Methoden nahtlos in die nächste Generation getragen werden. Inmitten einer hochtechnologisierten Weinwelt bewahren Vater und Sohn ein Kulturgut mit altem Mosel-Handwerk.

Die Müllens bewirtschaften eine Gesamtfläche von rund fünf Hektar in den besten Schiefersteillagen von Traben-Trarbach und Kröv, darunter die Spitzenlagen Trarbacher Hühnerberg, Kröver Paradies und Trabener Würzgarten. Ganze vier Hektar dieser Fläche sind reine, extreme Steillagen, die komplett in der traditionellen Einzelpfahlerziehung angelegt sind. Diese Bewirtschaftung erfordert kompromisslose Handarbeit, da der Einsatz von modernen Maschinen in diesen Steilhängen unmöglich ist. Rebstock für Rebstock wird hier von Hand gepflegt.

Im Keller wird der Grundsatz »begleiten statt eingreifen« gelebt.

Das Vorbild sind die großen Moselweine des frühen 20. Jahrhunderts. Auf moderne önologische Verfahren oder technologisches Eingreifen wird konsequent verzichtet. Gepresst wird mit drei historischen Korbkeltern. Je nach Jahrgang und Traubenzustand wird das Lesegut vorher leicht angequetscht oder direkt als ganze Traube verarbeitet. Der eigentliche Pressvorgang läuft extrem schonend ab und nimmt über 20 Stunden in Anspruch. Ohne Zentrifugieren oder den Einsatz von Enzymen kommt der Most direkt in die klassischen, alten Moselfuder-Holzfässer. Hier fermentieren die Weine dank natürlicher Wildhefen langsam und schonend im kühlen Keller. Die Rieslinge verbleiben für eine lange Zeit auf der Hefe im klassischen Moselfuder von 1000 Litern.

Ein großer Riesling sollte nicht in seiner jugendlichen Frucht- und Schwefelphase getrunken werden, sondern die Zeit bekommen, die er braucht.

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal des Weinguts ist das enorme Geduldspiel nach der Abfüllung: Die Weine kommen nicht sofort auf den Markt. Sie verschwinden nach der Flaschenfüllung zunächst für einige Jahre im kühlen Keller der Müllens. Erst wenn die Rieslinge ihre ungestüme Jugend abgelegt haben, harmonisch balanciert sind und ihre wahre Terroir-Identität sowie Lagerfähigkeit zeigen, werden sie für den Verkauf freigegeben.

Weintrauben in einem Bottich

Das Ergebnis dieses kompromisslosen Weges von Martin und Jonas Müllen sind langlebige, charakterstarke Monumente, die regelmäßig internationale Höchstbewertungen bei Robert Parker oder James Suckling erzielen.

Das Weingut Martin Müllen ist ein kleiner handwerklicher Kultbetrieb wie Vollenweider, der zwar auf der großen internationalen Bühne kaum eine Rolle spielt, aber für Mosel-Insider die ganze Faszination dieser Region ausmachen. Weltklasse-Rieslinge, die kaum jemand kennt.