Elektra ist kein Veltliner, bei dem man nach »Pfefferl« und klassischer Sortentypizität suchen sollte. Und genau das ist hier auch der Punkt. Er stammt von alten Reben aus den kühlen, extrem kalkreichen Joiser Lagen Lindauer und Altenberg, spontan vergoren und lange auf der Vollhefe. Martin Nittnaus benutzt Grünen Veltliner hier eher als Übersetzer für den Boden als als aromatische Rebsorte. Das Ergebnis ist irgendwo zwischen Veltliner, Naturwein und kalkigem Terroirgeschoss, das ganze erstaunlich präzise. Die Nase ist zunächst richtig Fein von leichter Herbheit und zarter Reduktion geprägt. Feiner Grüner Apfel, Quittenschale und Limettenzeste, dazu ein Hauch von Hopfen, Fenchelgrün und frischen Wiesenkräuter. Ein Touch Hefe und etwas Malziges liegen darunter, aber überhaupt nicht breit oder hefesüß. Weiße Blüten, ein bisschen helle Exotik und vor allem immer wieder dieser kalkig-kreidige Unterton. Nicht laut, nicht funky, sondern eher tiefe Mineralik unter einer ziemlich kühlen Aromatik. Im Mund dann richtig elektrisierend, wie der Name es schon andeutet. Knackiger Apfel und Limette treffen auf kreidigen Grip, feine Phenolik und eine saftig-zitrische Säure. Der Wein packt auf der Zunge richtig zu. Dazu kommen etwas Hefe, herbe Kräuter und eine ganz feine Bitternote von Grapefruitzeste. Das macht ihn alles andere als glatt, aber gerade deshalb enorm animierend. Mit jedem Schluck baut sich mehr Salz auf. Hinten raus wird der Elektra immer karger, kalkiger und geradliniger. Kaum noch Frucht, dafür Zitrusschale, Kräuter und Gesteinsmehl. Das ist Naturwein ohne Zirkus. Keine Funkiness um der Funkiness willen, sondern ein kompromissloser, eigenständiger Veltliner über Herkunft, Textur und Energie. Viel Kalk, viel Zug und richtig Musik auf der Zunge. Sicher kein Everybody’s Darling, aber genau deshalb ziemlich genial.