Es gibt kaum einen Betrieb, der so extrem penibel seine Beeren sortiert und ausliest wie Achim von Oetinger. Der Hohenrain bekommt rund 12 Stunden Maischestandzeit, dann geht es in die Spontangärung im Edelstahltank, darin wird das GG auch auf der Vollhefe ausgebaut bis in den nächsten Sommer. Der Hohenrain ist eine Hanglage in Richtung Kiedrich, in der Tiefe ein recht karger Weinberg. Kristallin und stahlig, typisch Rheingau eben. Aber man muss sich schon in den Kosmos von Achim von Oetinger begeben, um diese Straffheit und puristische Mineralität zu verstehen. Denn das geht schon ein gutes Stück über den Regionstypus hinaus in seiner sehr straighten Art. Es ist aber nicht zu extrem, weil Oetinger so niedrige Erträge fährt und nur vollreife Beeren selektiert. Dadurch haben seine GGs immer diese seidige Textur, die Säuren sind nicht mehr so brachial wie annodazumal. Achim von Oetingers Weine brauchen immer Zeit und Luft, entfalten sich im Schneckentempo, dekantieren ist nie verkehrt. Der 2023er Hohenrain ist knochentrocken, unter 2 Gramm Restzucker, und doch ist er das Gegenteil von karg. Der Riesling hat einen köstlichen Schmelz, eine tiefgreifende Saftigkeit. Ich liebe diese kühle und doch mundfüllende Eleganz dieses Weines. Er steht so satt im Mund, dicht und hochintensiv, dennoch aromatisch nahezu fruchtfrei in seiner kreidigen Steinigkeit. Mit Luft schält sich eine Nuance von hellgelber Mirabelle und grüner Birne durch. Wunderbar geschmeidig und schmelzig am Gaumen. Das ist ein atemberaubender Purismus, der in seiner Geschmeidigkeit gar nicht so puristisch daherkommt. Das ist ein genialer Stil, mit das Feinste überhaupt im Rheingaus.