Tissots Chardonnay Clos de la Tour de Curon ist ein Monument. Er steht mühelos mit den Crus der Côte de Beaune auf Augenhöhe und hat dabei doch unverkennbar die puristische, steinige Seele des Jura in sich. Der Clos de la Tour de Curon ist eine spektakuläre, steil abfallende Parzelle oberhalb von Arbois, die Stéphane Tissot im Jahr 2002 aus dem Dornröschenschlaf weckte. Damals noch von dichtem Wald überwuchert, wurde der Hang in mühsamer Handarbeit gerodet, terrassiert und mit einer burgundisch anmutenden, extrem hohen Dichte von 12.000 Rebstöcken pro Hektar bepflanzt. Der reine Bajocium-Kalksteinboden zwingt die Reben hier in einen harten Überlebenskampf und lässt sie tief wurzeln. Natürlich in biodynamischer Bewirtschaftung. Der Jahrgang 2022, geprägt von einem warmen und sonnenverwöhnten Sommer, brachte nach den Frostjahren zuvor endlich wieder gesundes, perfekt ausgereiftes Lesegut hervor. Er wird ouillé vinifiziert, also klassisch, mit aufgefüllten Fässern und ohne oxidativen Florhefe-Einfluss. Die Nase ist ein faszinierendes, sich ständig wandelndes Schauspiel zwischen rauchigm Stein, nassem Lehm und heller, leicht zitrischer Frucht. Am Gaumen entfaltet der Wein eine phänomenale Dichte und Extraktsüße, die von einer fast brachialen Säurespur unterlegt ist. Ein Chardonnay von großem Format. Ein klassisches Bresse-Huhn in Morchelrahm, gebratene Languste mit Estragonbutter oder ein lange gereifter, kristalliner Comté sind kongeniale Partner für diesen Giganten. Wer diesen Chardonnay in seiner Jugend öffnet, sollte ihm unbedingt zwei bis drei Stunden in einer breiten Karaffe gönnen.