Timorasso wurde durch die Pionierarbeit des bescheidenen Winzers Walter Massa langsam aber sicher zum It-Girl der piemonteser Weißweinrebsorten. Daher war es seit einigen Jahren ein großer Wunsch und Traum der Familie Boffa, die Rebsorte ins traditionelle Sortiment von Pio Cesare aufzunehmen. Die Familie konnte bereits 2018 eine Lage in perfekter Südausrichtung auf 250 Höhenmetern und kalkhaltigen Tonböden im Weiler Tortona erstehen, die wenig später mit Timorasso neu bepflanzt wurde. 2023 wurde der erste Jahrgang dieses Weins gemacht, es gibt knapp über 3.000 Flaschen und wenige Magnum Flaschen. Nach einem kurzen Kontakt mit den Traubenschalen wurde abgepresst, im Stahltank vergoren und anschließend ein Jahr lang darin auf der Hefe ausgebaut. Dadurch konnte der Wein seine cremige Textur und aromatische Vielschichtigkeit erlangen. Nach der Abfüllung folgten vor dem Release weitere zwei Jahre Flaschenlager für diese Riserva. Brillant leuchtendes Zitronengelb. Die Nase ist elegant duftend – im Vergleich zum ausgewachsenen Piodilei haben wir in diesem Wein tatsächlich eine wunderbar verspielte jugendliche Zartheit. Amalfi-Zitrone, beinahe schwebende Kräuter, cremige Hefenoten und würzige Kalksteinaromen. Im Mund ist dieser Wein krass spannungsgeladen und geradlinig! Er gleitet mit beinahe rieslingartiger Säure über die Zunge und hinterlässt eine trinkanimierende Salzigkeit. Genau diese Textur verleiht der Rebsorte ihr langes Reifepotenzial. Bei meiner Probe im April 2026, kurz vor dem Release des Weins, ist er noch ultra jung, und die Entscheidung des Weinguts, ihn als Riserva herauszubringen, wird verdeutlicht und sinnvoll. Meiner Meinung nach braucht der Wein sogar noch etwas mehr Flaschenreife. Ich vermute, dass er mit weiterer Lagerung noch an Cremigkeit zulegen wird, eventuell entwickelt er sogar eine »ölige« Textur. Ein spannender neuer Wein von diesem ultra-traditionellen und doch so dynamischen Weingut.