Der Wein wächst im Monopol-Weinberg Clos des Grives. Diesem sehr besonderen Terroir ohne benachbarte Weinlagen, alleine auf einem Hügel gelegen mit grandiosem Blick auf die Stadt Lons-le-Saunier, also weit im Süden des Juras. Die Schafe des Nachbarn weiden zwischen den Reben. Seit 1968 wird hier zertifiziert biologisch gearbeitet, der Boden hat niemals chemischen Dünger oder Unkrautvernichter gesehen. Der Savagnin wird oxidativ ausgebaut, das heißt, das Fass wird nicht aufgefüllt und er reift unter Florhefe. Um diesem Effekt noch mit dem Turbolader beizukommen, werden die biologisch reifenden Fässer unter Benoit nicht mehr im Keller, sondern im Dachstuhl ausgebaut. Hier machen sie die extremen Temperaturschwankungen des Alpenvorlandes mit. Im Winter ist es unter dem Dach nah am Gefrierpunkt und im Sommer drückend heiß. Was für eine irre Idee, hier Wein auszubauen, aber Benoit sagt, das gibt nochmal einen besonderen »Gout«. Die Winzer haben schon ein bisschen einen an der Waffel hier im Jura, aber im sehr positiven Sinne. Sie machen einfach mal und schauen, was passiert, nur Handwerk und trial-and-error, keine Technik, reines Bauchgefühl. Rund zwei Jahre bleibt der Wein unter der Florhefe im Fass vor der Füllung, er ist also oxidativ. In der Nase viel helle Würze, Sesampaste, Lakritze, Eisenkraut, Jod, Eisen, Toffee. Im Mund kommt eine famose mineralische Schärfe, griffiges Tannin und die typische mundwässernde Salzigkeit. Das Erstaunliche an diesem Savagnin Solitaire ist, dass er relativ fein bleibt für einen Flor-Wein, gar nicht so extrem rustikal-wuchtig, wie diese Weine auch sein können. Das ist ein ausgesprochen feiner Savagnin non-ouillé, der mich sprachlos in Benoits Probenraum stehen lässt.