2024 ist leider die letzte Abfüllung von John Kongsgaards ikonischem Napa Valley Cabernet Sauvignon aus dieser Lage. Die Trauben stammen aus dem östlichen Teil des Napa Valley auf über 700 Höhenmetern, wo das Familienanwesen weit ab von jeglicher Zivilisation in der Wildnis gelegen ist. John erzählte einmal von dem großen Aufwand, das Weingut mit Wasserleitungen und Co. auszustatten. Hier wird kompromissloser Bioweinbau betrieben, der definitiv auch nicht von benachbarten Bauern gestört werden kann. Die Trauben wurden Mitte September gelesen, mit wilden Hefen vergoren und anschließend 20 Monate lang im in den Berg gehauenen Untergrundkeller ausgebaut, bevor der Wein ungeschönt und unfiltriert abgefüllt wurde. Wie alle Kongsgaard-Weine in Mini-Menge gemacht. Von diesem Cabernet Sauvignon gibt es gerade einmal 12 Fässer. Ich probiere diesen faszinierenden jungen Wein im September 2026 über zwei Tage hinweg, und er benötigt entweder definitiv entweder Flaschenreife oder ausreichend Luft, um zum einen sein Potenzial an den Tag zu legen und zum anderen Freude zu machen – die Tannine sind in diesem jungen Stadium nur für erfahrene Trinker genießbar! Beinahe tintiges, tiefes, undurchsichtiges Violett mit lila eingefärbten Tränen am Glasrand. Ohne zu laut zu sein, steigen opulente, reife Aromen von konzentrierter Schwarzkirsche, Brombeere, Boysenbeere und perfekt reifer schwarzer Johannisbeere mit würziger 100-prozentiger Schokolade und Mokka aus dem Glas. Erhaben brummende Würze von Lakritz, Zedernholz, Nelken und Muskatnuss mit einem Hauch Zimt und Kokos legt sich wie ein mystischer Teppich über die Frucht. Etwas Minze, wilde, getrocknete Kräuter und zart rauchiger Graphit runden alles ab. Obwohl die Nase wunderbar versammelt ist,sogar erhaben zurückhaltend scheint, knallt der Wein mit voller Wucht auf die Zunge. Was für eine gnadenlose Konzentration! Die vielen Tannine sind geschliffen, aber dennoch von sandiger Textur – sie verlangen geradezu nach mächtigem Protein! Ochsenbäckchen, Lammrücken oder ein gegrilltes Steak schweben mir vor. Auch die vielen braunen Gewürze scheinen sich staubig wie Asche auf die Zunge zu legen: schwarzer Kardamom, Pfeffer und Piment. Der Wein bleibt im Nachhall wie eine dicke Puderschicht auf der Zunge liegen – Lakritz, zartbittere Schokolade, Mokka, rauchige vulkanisch-mineralische Noten sowie konzentrierte schwarze und blaue Frucht. Die Frucht ist aber alles andere als süß – sie ist sogar komplett trocken. Wie Sternenstaub aus getrockneten Kirschen und schwarzen Johannisbeeren. Hammer! Je öfter ich ihn über die zwei Tage hinweg probiere, desto verzauberter bin ich von diesem Stoff. ABER, wie gesagt braucht er definitiv einige Stunden Luft oder mindestens weitere fünf Jahre Flaschenreife, bevor er seine ganze Schönheit zeigen kann. Alle Rotweine von John Kongsgaard sind in ihrem Herzen europäisch in ihrer Stilistik, und sie profitieren ungemein von extra Flaschenreife. Dieser Wein würde garantiert in ein paar Jahren in einer Blindprobe neben dem Who’s Who aus dem Bordelais für Furore sorgen. Was für ein krasser Stoff!