Weingut HM Lang: Grüner Veltliner Hartstein 2022

HM Lang: Grüner Veltliner Hartstein 2022

Grüner Veltliner 100%
weiß, trocken
10,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2040
leicht & frisch
mineralisch
unkonventionell
Lobenberg: 94/100
Österreich, Kremstal
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Grüner Veltliner Hartstein 2022

94
/100

Nachdem sich der Riesling Hartstein bereits als grandioser Einstieg bei Markus Lang etabliert hat, gibt es nun auch einen Grünen Veltliner als Pendant. Hartstein steht dabei ziemlich wörtlich für den harten Granitboden, auf dem dieser Wein wurzelt. Die Trauben stammen nämlich aus den 2021 neu hinzugekommenen, felsigen Parzellen am Braunsdorfer und künftig auch aus der Riede Lemberg. Karge Granitböden, wenig Auflage, viel nackter Fels, also genau die Art Herkunft, die perfekt zu Markus Langs kompromisslos kühler Stilistik passt. Und »Einstieg« bedeutet hier wirklich nur preislicher Einstieg. Im Aufwand gibt es keinerlei Abstriche. Die Ganztrauben kommen wie bei den großen Weinen auf Markus’ selbst konzipierte Baumpresse. Ein uraltes Prinzip, modern aus Stahl und Beton gebaut und komplett von Hand betrieben. Über rund zwei Tage werden die Trauben extrem langsam gepresst. Zunächst mit wenig, später mit enormem Druck. Weil dabei nichts zermahlen oder hektisch bewegt wird, bleibt der Prozess trotz der langen Pressdauer erstaunlich schonend. Der Most läuft anschließend ausschließlich per Schwerkraft in den direkt darunter liegenden Felsenkeller. Keine Pumpen, keine Eile, keine Abkürzungen. Genau diese fast absurde Konsequenz zieht sich durch sämtliche Weine von Lang. Danach spontane Vergärung und Ausbau im Holzfass, lange auf der Hefe und erst nach ausgedehnter Reife auf die Flasche. Auch hier gilt dieselbe Philosophie wie bei den Topweinen: Der Wein bekommt genau so viel Zeit, wie er braucht. Dass am Ende gerade einmal 11 Prozent Alkohol stehen, passt perfekt ins Bild. Tiefe soll hier eben nicht über Gewicht entstehen, sondern über Herkunft, Textur und Spannung. Die Nase ist für einen Veltliner extrem kühl und steinig. Grüner und gelber Apfel, etwas Birnenschale und unreife Marille, dazu Salzzitrone, Grapefruitzeste und helle Kräuter. Dahinter nasser Granit, etwas Rauch und eine fast staubige Gesteinsnote. Mit Luft kommt eine feine Veltliner-Würze durch, aber wirklich kein klassisches Pfefferl-Kino. Die Frucht bleibt leise, der Stein steht klar im Vordergrund. Am Gaumen dann dieser typische Lang-Widerspruch: so wenig Alkohol und doch trotzdem richtig viel Druck. Straffe Zitrusfrucht, knackiger Apfel und etwas Quitte treffen auf eine glasklare Säure und feinen phenolischen Grip. Das lange Hefelager gibt dem Wein Textur und eine fast samtige Tiefe, gleichzeitig bleibt alles irre schlank und energetisch. Salz, Kräuter und dieser granitische Zug ziehen den Wein immer weiter in die Länge. Hinten raus wird der Hartstein noch karger. Zitronenschale, weißer Pfeffer, Kräuter, Salz und Gesteinsabrieb bleiben lange stehen. Das ist Veltliner nach Markus Lang: Power without Weight, kompromisslos trocken, steinig und glasklar. Ein ziemlich spektakulärer Einstieg in diese komplett eigenständige Weinwelt.

Mein Winzer

HM Lang

Markus Lang ist derzeit wohl der spannendste Produzent im Donau-Tal. Der in Wien arbeitende Ingenieur hat erst vor einigen Jahren angefangen seinen eigenen Wein zu bereiten und dennoch zählen die Veltliner und Rieslinge des Autodidakten bereits zu den spektakulärsten und interessantesten Weißweinen...

Grüner Veltliner Hartstein 2022