Beaucastel hat mehrere Besonderheiten. Zuallererst ist es ein waschechter Biodynamiker. Aber das gibt es natürlich bei Vieille Julienne auch. Generell ist das im Châteauneuf allerdings noch eine richtige Ausnahme. Bio sind aber mittlerweile viele. Die nächste Besonderheit ist die Lage der Domaine. Sie liegt extrem im Wind, Mistral ohne Ende. Es gibt hier fast nie Probleme mit Fäulnis, deswegen ist die Biodynamie auch so gut umzusetzen. Dazu kommt die große Schwerpunktsetzung auf die Rebsorte Mourvèdre. Wenn wo anders teilweise reiner Grenache läuft, ist Beaucastel schon noch auf einer Vielfalt aufgebaut. Zum Mourvèdre kommen Grenache, Syrah, Counoise, Cinsault, Terre Noir, Muscardin und Vaccarese. Alle Rebsorten werden hier separat vinifiziert, die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt. Spontane Gärung in großen Fudern und Betontanks, je nach Rebsorte. Danach wird ganz sanft gepresst, der verbliebene Trester bleibt sogar feucht, wenn er in den Weinberg gefahren wird. Ausbau in großen, alten Fuderfässern für zwei Jahre. Beaucastel ist ein einziger, zusammenhängender Weinberg, mit insgesamt 80 Hektar. Das Terroir ist überwiegend weißer Lehm und Kalkstein. Ein ähnliches Terroir wie in den besten Lagen des Barolo-Gebiets. Cannubi zum Beispiel. Ein einziger zusammenhängender Weinberg, mit relativ homogenem Untergrund, ist also eine weitere Besonderheit von Beaucastel. Mourvèdre-Mistral-Terroir mit der Eleganz eines der besten Terroirs der Rhône. 2024 war ein kühlerer Jahrgang, aber deutlich reifer als etwa 2021, also nicht unbedingt schlank, sondern schon mit Power daherkommen. Der Beaucastel 2024 ist ein unglaublich geschliffener, seidiger Ausdruck dieses Terroirs. Wir haben schon die provencalische Würze des Südens, aber das Ganze ist so hochfein, geradezu zart eingebunden in diesem Jahrgang. Er braucht viel Luft, um diese elegante Tiefe, die er hat, Schicht um Schicht freizulegen. Er ist nicht vordergründig laut wie es 2023 war, kommt subtiler und eleganter ins Glas. Süße Erdnoten, Darjeelingtee, Herzkirsche, schwarze Johannisbeere, Walderdbeere, feinste Lakritze, Nougat. Ein so geschliffener und purer Stil, den so sonst nur noch Clos des Papes hinbekommt. Und das Besondere an 2024 ist diese Eukalyptus-Frische, die im Mund dann sogar zu kühler Pfefferminze wird, die lange nachhallt. Man spürt, dass der Alkoholgrad in 2024 niedriger ist als 2023 und 2022, das gibt dem Wein einen ganz anderen Drive. Die Feinheit von 2024 ist wirklich verblüffend. Man kann diesen Jahrgang leicht unterschätzen, aber er zieht eine enorme Intensität und Länge aus dieser feinen Struktur. Es ist kein Blockbuster oder Haudrauf-Beaucastel, sondern eine feine Fortsetzung von einem Jahr wie 2016 oder 2010. Geschliffen, stylisch, von reiner Eleganz getragen. Eine Ode an die Freude für Finessetrinker.