Phelling ist die vielleicht kompromissloseste Interpretation von Grünem Veltliner bei Dr. Wunderer. Die Riede liegt in Röschitz auf lössgeprägten, kalkhaltigen Böden und bringt genau die Art Wein hervor, auf die Wunderer inzwischen immer klarer zielt: weniger Sortenaromatik, weniger Fruchtshow, dafür Struktur, Salz und Herkunft. Spontan vergoren und acht Monate im 500-Liter-Fass ausgebaut. Das Holz dient hier ausschließlich der Textur. Im Kern geht es um einen extrem geradlinigen, mineralischen Veltliner, der eher über Spannung als über Charme kommt. Schon die Nase ist ziemlich puristisch und kühl. Zunächst kaum Frucht, eher leicht reduktiv. Dann Zitronenschale, etwas gelber Apfel und eine Spur unreife Birne. Dazu getrocknete Kräuter, Fenchel und diese kalkig-staubige Mineralität, die an zerstoßenen Stein erinnert. Mit Luft kommt etwas Mirabelle und heller Pfirsich dazu, aber das bleibt komplett auf der herben, ungeschminkten Seite. Auch eine feine Rauchigkeit schwingt mit. Sehr ruhig, sehr präzise und überhaupt nicht auf Gefälligkeit gebaut. Am Gaumen ist sofort Spannung da. Knackiger gelber Apfel und Salzzitrone treffen auf eine straffe, fast elektrisierende Säure. Der Ausbau im Fass gibt einen ganz feinen Schmelz in der Mitte, gleichzeitig packt eine deutlich phenolische Struktur zu. Kreide, Zitronenzeste, weiße Kräuter und etwas Pfeffer ziehen den Wein immer enger zusammen. Kein Gramm Fett, keine Süße, kein Holzgeschmack, alles läuft über Grip und diesen steinig-salzigen Zug. Hinten raus wird der Phelling fast asketisch. Die Frucht verschwindet zunehmend, dafür bleiben Zitrusschale, Kreide und Salz lange auf der Zunge stehen. Trocken, herb, straff und enorm fokussiert. Das ist kein klassischer Weinviertel-Veltliner mit saftiger Frucht, sondern fast das Gegenmodell dazu: karg, steinig, salzig und kompromisslos auf Herkunft gebaut. Genau solche Weine zeigen, warum diese kühle Ecke des Weinviertels gerade so spannend wird.