Der Wein wächst auf purem Sand im Ostteil der Top-Lage La Crau etwas südlich von Courthezon, da wo alle Superstars der Eleganz von Rayas über Caillou bis Janasse versammelt sind. Reine Grenache von über 90 Jahren. Es ist nur ein halber Hektar. So gerne würde die Gras Familie den gesamten Plot kaufen, weil das Terroir so überragend ist. Aber das ist nahezu unmöglich in diesem Gebiet. Der Sand besteht aus 80 Prozent reinem Sand und 20 Prozent zermahlenem Kalkstein, da hier vor genau 11Mio. Jahren das Mittelmeer entlang schwappte. Diese Ablagerungen machen heute La Crau aus. Der Wein ist mit einem hohen Anteil Ganztrauben vergoren. Benjamin Gras mag diesen Rappenstil einfach, weil er Frische bringt und den Alkohol etwas drückt. Um die Puristik und Finesse der Lage maximal rauszuarbeiten wird der Wein als einziger in der Domaine komplett in Tonamphoren ausgebaut, 18 Monate. Der delikateste und purste Ausdruck von Châteauneuf, wobei Saint Vierges immer in dieselbe Kerbe schlägt. Der Jahrgang 2023 ist verspielter als 2022, geht mehr zur Blumigkeit. Auch wenn Benjamin Gras mit seinem Stil, der mehr auf Ganztrauben setzt, dem etwas entgegenwirkt mit viel Struktur und Pfeffrigkeit. Das ist eine absolute Top-Lage, auch Janasse ist hier unterwegs für den Chaupin. Eine Nase so fein wie sie ein Burgunder Grand Cru kaum besser darstellen könnte, kristallklar, sehr harmonisch. Walderdbeere, Lavendel, roter Pfirsich, grüner Pfeffer, Himbeercoulis. La Crou Ouest ist immer mehr auf der Frucht als die Grenache aus Gigondas, die mehr floral und verspielt sind. Hier ist es tiefe, satte, reiche Frucht in seidiger, schwereloser Opulenz. Das ist der pure Ausdruck von eleganter Grenache, wie sie auch die Hochlagen der Sierra de Gredos ausdrücken, aber durch die Sandböden sind wir eben noch feiner, noch schwebender, was auch an der Wärme von Châteauneuf liegt. Wir sind zwar schon bei hoher Reife, klar, aber dieser so ultra feine, florale, rotfruchtige und zarte Ausdruck ist eigentlich die DNA der Grenache und dann eben auch von Châteauneuf, wenn die Weine nicht zu viel Mourvèdre oder Syrah enthalten und in den historischen Terroirs im Norden und Osten der Gemeinde wachsen. Wenn man sehr alte Weine aus dieser Gemeinde öffnet, sind sie in der Regel so: schlanker, rotfruchtiger, floraler als viele der heutigen. Das liegt nicht nur am Klima, sondern eben auch am Trend der immer schwärzeren Power-Grenache seit den 2000er Jahren. Hier also Oldschool vom Feinsten, nur Finesse und zart wie ein Burgunder. Das ist ein ganz großer Stoff und – auch wenn ich eigentlich ein Gigondas-Fan bin – immer mit mein Lieblingswein bei Familie Gras.