2024 war ein etwas weniger heißer Jahrgang als 2022 und 2023, vor allem im Frühjahr und frühen Sommer. Erst gegen August hat die Hitze des Südens dann reingekracht und am Ende auch für eine hohe Reife und Konzentration gesorgt. Es ist nicht unähnlich zu den sehr schönen 2021ern mit ihrer feinen Fruchtstärke, auch 2022 ist von der expressiven Beerenfrucht nicht weit. Aber es ist deutlich schlanker und viiiel straffer als 2022, hat aber mehr strukturelle Power als 2021. Nach dem irren 2022er, der pure Himbeere war, ist der 2024er das nächste Unikum. Was für ein verrückter Châteauneuf! Es ist ja ein Vin de France, aber wächst natürlich in Châteauneuf. Die Nase strahlt in voller Pracht, Wahnsinn, denn nach dem Weltklasse 2022er hätte ich nicht gedacht. Es ist hier eine Haute-Couture im Weinbau, makellos selektiert. Es sind eben gerademal ein paar Fässer und entsprechend wenige kleine Kisten pro Tag, die da geerntet werden. Im Kleinen ist diese Ultra-Präzision eben möglich, dann passt auch in einem schwierigen Jahrgang wie 2024 wirklich alles. Die Nase ist zart-reduktiv, hat eine enorme Spannung, wirkt wie ein Wein, der viel nördlicher gewachsen ist. Feine Himbeer-Kirschfrucht, fast sogar Sauerkirsche, Bergminze, eine Präzision wie Clos des Papes oder Vieille Julienne. Das was Andreas da liefert, kann mit den Allerbesten der Appellation mithalten. Schon verrückt. Der Mund ist fokussiert und präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, läuft wie am Schnürchen. So einen Fluss und einen grünlichen Grip erwartet man vielleicht von Pinot Noir, aber Grenache..?! Das ist schon sehr special. Aber es ist eben auch ein Lenzenwöger, der quasi die personifizierte Antithese zu den fetten, oxidativen Oldschool-Châteauneuf ist. Der Fruchtausdruck ist so kristallin, so präzise und reintönig, so schön, dass man reinspringen möchte. *** Andreas Lenzenwöger praktiziert das Winzertum seit bald 20 Jahren bei Pegau in Châteauneuf, er ist dort Partner des Inhabers Paul Feraud, davor war er in der Steiermark beim Sattlerhof tätig. In den maximal handwerklich erzeugten Wein Definitely Red fließt all sein Wissen und all sein Können – private Liebhaberei ist ein noch viel zu kurz gegriffenes Wort. Das ist schon ein bisschen verrückt, das kann nur jemand tun, der sich in seinem Wein komplett verwirklichen und ausdrücken will. Burgundische Finesse und das typische Terroir der Südrhône sollen sich in einem harmonischen und ganz eigenständigen Charakterwein wiederfinden. Wir haben hier mit Def Red einen Garagenwein im besten Sinne und ohne Kompromisse: Von der Auswahl der Trauben über die gebrauchten Barriques von Guigal bis hin zum NDTec Kork wird nichts dem Zufall überlassen. 100 Prozent Grenache aus 40 Jahre alten Reben von sandigen Böden werden per Hand eingemaischt und ohne jeglichen maschinellen Einsatz in offenen Barriques vergoren, mit Folie abgedeckt, draußen auf der Terrasse, das heißt die Maische macht die Tag-Nacht-Temperaturschwankung voll mit, was eine gewollte Zusatzkomponente in der Finesse ist. Das Ganze findet über 3 Wochen statt, dann schöpft er den Wein heraus, presst den Rest per Hand ab, führt alles zurück ins Barrique, verschließt das Fass und rollt es den Hang hinab in seinen winzigen Keller. Dort findet dann die Malo statt, keine Bâtonnage. Es gibt nur 2 solcher Barriques. Der Ausbau dauert dann eineinhalb Jahre. Keine Filtration und Schönung, keine Zugabe von Schwefel, der kommt erst bei der Füllung in minimalen Mengen dazu. Kurz vor der Abfüllung dann Sedimentierung in einem kleinen Tank und von einem winzigen Spezialabfüller in die Flasche gebracht. Die Füllung ist der einzige Vorgang, bei dem der Wein jemals mechanisch bewegt wird während des gesamten Herstellungsprozesses. Ansonsten hat dieser Wein während der gesamten Herstellung nur Handarbeit gesehen, mehr Naturbelassenheit geht kaum in einem Wein.