Christian Tschida: Stockkultur Pinot Noir 2024

Christian Tschida: Stockkultur Pinot Noir 2024

Zum Winzer

Pinot Noir 100%
rot, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2047
naturbelassen
seidig & aromatisch
frische Säure
Lobenberg: 97+/100
Österreich, Burgenland
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Stockkultur Pinot Noir 2024

97+
/100

Christian Tschidas Stockkultur Pinot Noir stammt aus alten Reben in der Einzellage Thenau. Und Stockkultur heißt hier tatsächlich: Jeder Rebstock steht für sich, nur begleitet von einem langen Holzpfahl, an dem er sich halten und in die Höhe arbeiten kann. Eine uralte Form der Reberziehung, heute kaum noch zu finden, weil sie im Weinberg brutal viel Handarbeit bedeutet. Für Christian Tschida ist genau das aber der Punkt. Die Reben wachsen freier, bekommen Licht, Schatten und Luft in einer ganz anderen Balance und stehen durch die extrem dichte Pflanzung zugleich in starker Konkurrenz. Die Wurzeln müssen tief in den Schiefer, der Ertrag bleibt winzig, die aromatische Spannung wird maximal. Das Ziel ist hier nicht Kraft im klassischen Sinn, schon gar keine pannonische Wärme. Tschida verlangt diesen Reben alles ab, um aus dem Burgenland einen Pinot Noir von fast irrealer Schlankheit, Finesse und Strahlkraft zu holen. Blind wäre man wohl eher im naturbelassenen Burgund, vielleicht irgendwo zwischen Prieuré Roch und der Pinot-Welt von Ganevat, als am Neusiedler See. Und doch bleibt der Wein im Kern wieder völlig eigenständig Tschida. Nicht laut »Pinot«, nicht süßlich aufgemotzt, nicht fleischig, nicht naturwein-wild. Sondern leise, kühl, transparent und trotzdem voller innerer Energie. Die Nase ist betörend filigran und gleichzeitig ziemlich dramatisch. Himbeermark, Granatapfel und Sauerkirsche, dazu Hagebutte, Blutorangenschale und Rooibostee. Darunter liegt diese salzige Frische, etwas kühler Stein und ganz zart helle Lakritze. Mit Luft kommen feine Kräuter, ein Hauch Zwetschge und wieder diese helle, rotbeerige Spannung. Alles bleibt schwebend, präzise und wunderschön geschliffen, niemals rustikal, niemals überextrahiert. Am Gaumen straff, elegant und mit allerfeinstem Tannin. Sauerkirsche und Süßkirsche wechseln sich ab, in der Mitte liegt eine verführerische Fruchtsüße, aber die tolle Säurefrische und die kalkige Salzigkeit halten den Wein immer auf Zug. Himbeere, Granatapfel, etwas Zwetschge, feine Kräuter und ein leicht zitrischer Säuretouch. Das ist seidig, kühl und geschmeidig, zugleich mit dieser feinen Dramatik, die große Pinots so unwiderstehlich macht. Die Tannine sind ultrazart, eher ein Flüstern als ein Gerüst, aber sie tragen den Wein weit in die Länge. Trotz aller Leichtigkeit steckt hier enorme Energie drin. Tschida par excellence: frei, radikal eigenständig und doch von fast klassischer Schönheit. Stark!,

Mein Winzer

Christian Tschida

Christian Tschida zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Low-Intervention-Winzern Österreichs. Das Erfolgsrezept? Sicherlich seine laissez-faire Arbeitsweise – keine strenge Ordnung, keine festen Regeln, keine Dogmen.

Stockkultur Pinot Noir 2024