Wahrscheinlich ist der Cheval des Andes vor allen anderen »internationalen« Kooperationen in Südamerika eines der überhaupt besten Preis-Qualitäts-Verhältnisse. Cheval des Andes und Terrazas de los Andes gehören beide zum LVMH Konzern, und so darf Pierre Olivier Clouet, der Weinmacher und Geschäftsführer von Cheval Blanc zusammen mit Winzer Pierre Polbos zeigen, was in diesem »Grand Cru Argentiniens« steckt. Die Kombination aus dem fordernden Klima der Höhenlagen Mendozas zusammen mit top Rebmaterial – vor allem alter, wurzelechter Malbec – bewirkt hier Wunder. Der Blend besteht dieses Jahr aus 57 Prozent Cabernet Sauvignon, 40 Prozent Malbec und 3 Prozent Petit Verdot. Der Cabernet Sauvignon-Anteil hat also im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugenommen. Zudem wird seit 2020 hier deutlich früher gelesen als in der Vergangenheit, das sorgt im finalen Wein für noch mehr Frische und Eleganz. Der Ausbau erfolgte zu 40 Prozent in Barriques, zu 35 Prozent in 400 Liter fassenden Fässern und zu 25 Prozent in Fuderfässern. 50 Prozent aller Fässer waren Neuholz. 2022 waren 85 Prozent der Fässer aus Frankreich und 15 Prozent aus österreichischer, slowenischer und deutscher Eiche. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit Violett. Leder, Mahagoni, Zedernholz, würziger langer Pfeffer, Piment und grüner Tabak auf süßen Schwarzkirschen, Pflaumen und Cassis. Etwas getrocknete Minze schwebt frisch daher. Der Wein ist erdig, dicht und zugleich ultra samtig. Nach ein paar Minuten im Glas kommen Aromen von rostigem Eisen, Blut und getrocknetem Schinken hinzu. Im Mund sind die klassischen, eleganten Aromen von Zigarrenkiste, Zedernholz und viel brauner Pfefferwürze mit der tiefdunklen Frucht von saftiger Schwarzkirsche und einer wilden Waldbeeren Mischung verwoben. Die Frucht ist reif, aber nicht süß, sondern erfrischend und harmonisch. Lakritz, Muskatnuss, würziger Wacholder, Süßholz. Dezent bittere, mediterrane Kräuter wie Salbei und Rosmarin klingen nach. Die Tannine sind reif, feingeschliffen und samtig, dennoch geben sie dem Wein auf wundersame Art und Weise geheimnisvoll und elegant seine Haltung und Struktur. Druckvoll, schiebend und doch ultra elegant, voller Finesse wird der Wein von Minute zu Minute mineralischer. Die Balance und Frische trotz dieser immensen Konzentration sind »out of this world«! Krasser Stoff! Den Vergleich zum Cheval Blanc zieht man hier ja nicht ohne Grund, der Fingerabdruck und die Ähnlichkeit im Holzausbau sind definitiv nachvollziehbar. Er darf zwar schon in wenigen Jahren wach gekitzelt werden und nimmt einen dann mit auf eine rasante Reise mit. Jahr um Jahr ist der Cheval des Andes verlässlich ein großer Wein! Chapeau!