Der Rancio ist ein Wein, der bewusst einem oxidativen Ausbau bei gleichzeitiger Hitzeeinwirkung unterzogen wird. Meist reifen sie unter Florhefe, wie hier bei Chapoutier, und in Glasballons. Manchmal auch an der freien Luft unter der Sonne. Die Herstellung findet vor allem in verschiedenen spanischen und katalanisch-sprachigen Gebieten sowie in Okzitanien statt. So wie eben hier bei Chapoutier im Roussillon in der IGP Côtes Catalanes. Reiner Macabeu, nicht aufgespritet, sondern natürlich aufkonzentriert. Dadurch dass im Fass durch den langen Ausbau fast ein Drittel des Weines verdunstet (der Angel’s Share), wird auch der Alkohol aufkonzentriert auf 17% vol., aber es ist der natürliche Alkohol des Weines ohne Zusatz von Branntwein oder Ähnlichem. Ein irrer Stoff. Als wenn man Sherry und Vin Jaune verschneiden würde. Geröstete Nüsse, Macadamia, Kastanienhonig, Weizen, Jod, Kupfer, kandierter Ingwer, Safran, gebrannte Mandeln. Der Mund kommt krachend und so intensiv, dass man die Augen zusammenkneift. Das ist ein Rundflug vom Jura nach Spanien mit Zwischnstopp im Roussillon. Urwüchsig, nussig, karamellig, warm und steinig. Er ist knochentrocken, zieht alles auf der Stein-Nuss-Kombination zusammen bis er salzig ausklingt. Das ist Insiderstoff für Profis, Anfänger könnten von diesem Stoff leicht überfordert werden. Zu Salzmandeln oder Oliven mit Anchovis gefüllt ist das absolut herrlich. Man hat das Salz des Meeres förmlich auf der Zunge liegen.