Die Blauwal Riserva ist das absolute Aushängeschild des kleinen Familienweinguts Cesconi und meiner Meinung nach einer der besten Schaumweine der Trento DOC. Dass der Wein bisher in Deutschland noch weitestgehend unbekannt ist, ist allein der überschaubaren Produktionsmenge von ungefähr 6.000 Flaschen pro Jahrgang geschuldet. Die Flasche, die ich probiere, wurde 2025 degorgiert und ist somit schon ein knappes Jahr von der Hefe. 100 Prozent Chardonnay aus einer Einzellage in ungefähr 300 Metern Höhe und Nordwest-Ausrichtung mit den ältesten, mindestens 45 Jahre alten Rebstöcken von Cesconi, die in der traditionellen Pergola-Erziehung – also über Kopf – angebaut werden. Der Boden besteht hier aus Sedimentgestein mit Schichten aus kompaktem Sandstein. Die Trauben werden sorgsam und sanft von Hand gelesen und dabei bereits im Weinberg streng aussortiert. Nur perfekte Trauben kommen überhaupt erst in den Keller! Direkt nach der Ankunft im Weingut werden die Trauben mit sanftem Druck abgepresst. Bei diesem Wein liegt die Ausbeute bei maximal 50 Prozent! Der entstehende klare Most wird in gebrauchten Barriques vergoren und anschließend auch 8 Monate darin ausgebaut, bevor der Wein für die zweite Gärung auf Flaschen gezogen wird. Hier bleibt er mindestens 84 Monate (!), bevor er degorgiert wird. Mit einer Versanddosage von maximal 3 g/l ist die Blauwal Riserva ein klassischer Extra Brut. Mittleres Goldgelb mit feiner Perlage im Glas. Dieser Schaumwein zeigt sich eher verspielt und jugendlich tänzelnd als ultrareif. Viele zitrische Noten von Zitronenabrieb, Zitronensaft, Salzzitrone und zart schwebenden Zitronen- sowie Obstblüten bis hin zu salzigem Kalkstein, knackiger Quitte, Nektarine und Williamsbirne. Schon beim ersten Riechen kann man die gnadenlose Spannung dieses Weins erahnen – auch wenn die frisch geöffnete Flasche im ersten Moment aufgrund der Feinheit dieser Aromen beinahe etwas unterschätzt werden mag. Ein Hauch Curryblatt und Muskatnuss kommen hinzu. Der erste Schluck – und es haut mich gnadenlos aus den Socken. WOW! Was für eine gnadenlose Spannung und salzige Mineralik! Dabei ist die Säure nicht haushoch, sondern genial harmonisch und cremig integriert. Dieser Stoff ist absolut nicht laut, sondern der Inbegriff zarter Finesse und Eleganz. Im Mund tänzelt die gelbe Frucht reif und saftig, aber dennoch sooooo zart über den Gaumen. Auch dieser verführerische Hauch von frischem, noch warmem Buttercroissant schwebt nur so über die Zunge. Der Wein wird am Gaumen scheinbar von der intensiv steinigen Mineralik in ein Korsett gedrückt und bleibt daher linear mit dezent bitteren Kräuternoten auf der Zunge. Ohne diese herrliche »Grenze« würde die saftige gelbe Steinobstfrucht wohl opulent über die Zunge schwappen. Ich empfehle (wie so oft bei großen Schaumweinen) bevorzugt ein Weißweinglas statt eines Champagnerglases. Dieser Wein ist der Inbegriff der Eleganz und einfach nur schön!,