»Alte Reben« war schon unter Bernhard Huber einer DER deutschen Pinots schlechthin und sicher einer der ersten großen deutschen Ortsweine nach burgundischem Vorbild. Bis heute ist dieser Wein eine absolute Ikone und spielt qualitativ weit über seiner Klassifikation! Die Trauben stammen aus verschiedenen Malterdinger Parzellen, viele davon unmittelbar neben Julians Bienenberg GG, dazu kommen auch abgestufte Fässer aus dem Bienenberg selbst. Die Reben sind zwischen 30 und fast 70 Jahre alt, überwiegend deutsche und burgundische Genetik. 2024 war ein enorm anspruchsvoller Jahrgang, der Julian durch die schwierige Traubenstruktur und die notwendige, extrem strenge Selektion alles abverlangte. Entsprechend winzig sind die Erträge, dafür ist die Konzentration trotz des kühlen Jahrgangs bemerkenswert hoch. Gleichzeitig zeigt sich 2024 in einer etwas klassischeren, subtileren Stilistik, weniger laut und demonstrativ als manch anderer Jahrgang, dafür mit einer fantastischen inneren Spannung und Finesse. Auch im Keller setzt Julian seinen Weg der immer behutsameren Vinifikation konsequent fort. Sämtliche Trauben werden vollständig entrappt, die Maische nur maximal dreimal untergestoßen und auf neues Holz wird bei den Rotweinen mittlerweile gänzlich verzichtet. Der Ausbau erfolgt in burgundischen Barriques. Schon die Nase ist eine einzige duftige Verführung! Was für eine florale Brillanz! Unfassbar viel Veilchen, frisch aufgeblühte Blüten, ein Hauch Lavendel und zarte Irisnoten. Dahinter schimmert eine wunderbar saftige, fein verwobene Beerenfrucht durch. Reife Himbeere, rote und schwarze Johannisbeere, dunkle Waldkirsche und ein wenig Holunderbeere, dazu ein Hauch zerstoßener Wacholder, feine Kräuterwürze und kühle, steinige Mineralität. Die violette Aromatik zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Wein, ungemein duftig, tief und doch fast schwebend leicht. Im Vergleich zum kleineren Malterdinger nochmals ein deutlicher Schritt in Sachen Komplexität und Konzentration, dabei aber erstaunlich offen und zugänglich. Am Gaumen dann diese geniale Verbindung aus seidiger Frucht und vibrierender Frische! Saftige Waldbeeren, dunkle Kirsche und wieder diese feine, fast parfümierte Veilchennote, die dem Wein eine ganz besondere Noblesse verleiht. Die Gerbstoffe sind durch die extrem sanfte Extraktion wunderbar feinkörnig und geschliffen, dennoch mit genau dem richtigen Grip. Dazu kommt eine reife, präzise Säure, die den Wein mit enormem Zug und salziger, kalkiger Spannung über die Zunge trägt. Das ist dicht und konzentriert, ohne jemals schwer zu wirken, vielmehr ungemein feinnervig, saftig und von einer fast tänzelnden Eleganz. Im langen Nachhall bleiben Veilchen, kühle Waldfrucht und eine feine steinige Würze zurück. 2024 ist ein besonders floraler, subtiler und zugleich faszinierend tiefgründiger Alte Reben, der mit seiner violetten Duftigkeit und der herrlich seidigen Textur geradezu betört. Julian Huber ist im puren Hedonismus des Burgunds angekommen und bleibt dabei doch so unglaublich eigenständig. Was für ein Pinot, was für eine Klasse!