Mit dem Jahrgang 2023 hat Julian Huber sein Sortiment um einen weiteren, hochspannenden Pinot Noir erweitert: den Hecklinger Ortswein! Sozusagen ein »Village ++«, der qualitativ wie preislich auf Augenhöhe mit den legendären Alten Reben spielt. Und gerade im direkten Vergleich zeigt sich eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich die beiden großen Terroirs von Malterdingen und Hecklingen ausdrücken können. Die Trauben stammen aus absoluten Spitzenparzellen: zum einen aus dem Kapellenberg, der sich oberhalb des südlichen Schlossbergs erhebt und noch steiler ansteigt, zum anderen aus den oberen Partien des Schlossbergs direkt neben der Burgruine. Beide Parzellen sind etwas flacher als das Herzstück der Lage, von einer mächtigen Lössauflage geprägt, im Untergrund liegt aber derselbe reine Muschelkalk wie beim Großen Gewächs. Die Weinberge wurden ursprünglich noch von Bernhard Huber angelegt und vor einigen Jahren auf eine neue Burgundergenetik umveredelt. Diese ist nahezu identisch mit der im Bienenberg und bringt eine fantastische Präzision und Finesse in die Weine. 2024 geht Julian bei der Vinifikation nochmals einen Schritt weiter in Richtung puristischer Eleganz. Sämtliche Trauben werden vollständig entrappt, die Maische nur ganz behutsam extrahiert und maximal dreimal untergestoßen. Auf neues Holz verzichtet Julian bei seinen Rotweinen mittlerweile komplett. Das Ergebnis ist ein unglaublich feiner, geradezu seidiger Pinot Noir, der seine Herkunft mit einer faszinierenden Klarheit transportiert. Schon die Nase ist ein Gedicht! Glasklare rote Kirsche, frische Himbeere, ein Hauch Walderdbeere und rotfleischige Orange, dazu feine florale Noten, etwas kühle Kräuterwürze und eine wunderbar kreidige, fast staubige Mineralität. Alles ist ungemein zart verwoben, nichts drängt sich in den Vordergrund. Die Frucht wirkt leuchtend und präzise, dabei noch einen Hauch feiner und zurückhaltender als im Vorjahr. Am Gaumen dann diese sagenhafte Seidigkeit, die so unverkennbar an den großen Schlossberg erinnert. Die Gerbstoffe sind ultrafein, beinahe pudrig, die Textur geschmeidig und doch von einer herrlich griffigen, kalkigen Struktur durchzogen. Saftige rote Beerenfrucht trifft auf eine kühle, präzise Säure und eine immer präsenter werdende, salzige Mineralität. Trotz der enormen Selektion und der geringen Erträge des Jahrgangs bleibt der Hecklinger wunderbar leichtfüßig, fast schwebend, ohne dabei an Tiefe oder Konzentration einzubüßen. Hier geht es nicht um schiere Kraft, sondern um Finesse, Transparenz und dieses faszinierende Zusammenspiel aus zarter Frucht und kreidiger Spannung. Der Nachhall ist lang, feinwürzig und von einer fast schwerelosen Eleganz getragen. 2024 zeigt der Hecklinger nochmals deutlicher seine ganz eigene Handschrift: weniger expressiv, dafür noch seidiger, subtiler und unglaublich geschliffen. Ein kleiner Schlossberg mit erstaunlicher Tiefe und burgundischer Noblesse, der schon jetzt weit über dem Niveau eines klassischen Ortsweins spielt. Ganz großes Pinot-Kino!