2024 war für Julian Huber ein weinbaulich enorm herausforderndes Jahr. Die Traubenstruktur war nicht überall optimal, es musste rigoros selektiert werden und die gesamte Hauptlese spielte sich in einem rasanten Zeitfenster von gerade einmal zweieinhalb Wochen zwischen Mitte und Ende September ab. Das Ergebnis sind extrem geringe Erträge, dafür aber eine erstaunliche Konzentration, wie man sie in einem solch kühlen Jahrgang kaum erwarten würde. Stilistisch ist 2024 dabei wieder etwas näher an der klassischen burgundischen Eleganz als der geradezu messerscharfe 2021er. Subtiler, zurückhaltender, weniger demonstrativ in seiner Frische und zugleich mit einer wunderbaren inneren Dichte. Der weiße Malterdinger ist seit einigen Jahren ein reiner Chardonnay und für Julian längst ein echter Village-Wein nach burgundischem Vorbild. Sämtliche Reben stehen in der Gemeinde Malterdingen. Die Trauben werden als Ganztrauben auf einer Spindelpresse gepresst, wodurch der Wein seine charakteristische, feine Phenolstruktur erhält. Spontane Vergärung und Ausbau erfolgen vollständig im Barrique, 2024 mit rund 40 Prozent neuem Holz. Schon die Nase zeigt sich herrlich fein und differenziert. Weniger reduktiv als 2023, weniger laut, dafür gesetzter und noch etwas nobler in ihrer Aromatik. Statt vordergründigem Feuerstein und Rauch dominieren feine, helle Fruchtnoten. Weißer Pfirsich, knackige grüne Birne, etwas Zitronenschale und reife Limette, dazu weißer Tee, Melisse, ein Hauch frische Haselnuss und dezente, perfekt eingebundene Eichenwürze. Alles wirkt wunderbar klar, kühl und präzise, mit einer feinen kalkigen Mineralität im Hintergrund. Am Gaumen dann die ganze Klasse dieses Jahrgangs: überraschend konzentriert und dicht, dabei aber völlig ohne Schwere oder übermäßigen Druck. Die reife, saftige Zitrusfrucht trifft auf eine wunderbar harmonische, dennoch zupackende Säure und eine feine, salzige Mineralität. Die subtile Phenolik verleiht zusätzlichen Grip, das Holz bleibt trotz des höheren Neuholzanteils elegant im Hintergrund. 2024 setzt weniger auf die vibrierende, fast elektrisierende Spannung des 2021ers oder die etwas expressivere, reduktive Art des 2023ers, sondern auf Balance, Finesse und eine fast schon selbstverständliche Souveränität. Ein wunderbar geschliffener, burgundisch anmutender Chardonnay mit bemerkenswerter Tiefe und enormem Trinkfluss. Für mich bleibt der Malterdinger einer der herausragenden deutschen Chardonnays auf Village-Niveau. Was für eine Klasse!