Dieser Barolo setzte sich in der Vergangenheit aus den drei Einzellagen Cannubi, Rocche Annunziata und Rué zusammen. Seit 2015 sind auch Trauben aus der auf Langzeit gemieteten Parzelle Morrobia di Bussia im Blend und ab dem Jahrgang 2020 kommen auch wieder Trauben aus der Lage San Lorenzo hinzu, die 2015 neu bepflanzt wurde. Bei Bartolo Mascarello werden schon immer traditionell alle Lagen zusammen vergoren, die strenge Auswahl findet im Weinberg statt. Seit Jahrzehnten gibt es die gleiche Lese-Mannschaft, die Maria Teresas hohen Qualitätsstandard genau kennt. Die Trauben werden komplett entrappt und dann mit wilden Hefen vergoren. In den ersten 12-15 Tagen im Zementtank, danach bleibt der Wein je nach Jahrgang zwischen 30 und 50 Tagen auf der Maische, ohne dass nochmals eine Pigage oder Remontage durchgeführt wird. Der Jahrgang 2022 wurde nicht mit dem traditionellen »Capello Sommerso«, also dem durch Holzbalken untergedrückten Tresterhut, gearbeitet, sondern mit dem an der Oberfläche schwimmenden Tresterhut. Tägliches Probieren bestimmt das Ende des aromatischen Zugewinns aus der Maischestandzeit. Danach erfolgt der Ausbau im großen gebrauchten Holzfass, das keine Holz-Aromatik mehr abgibt, dafür aber für die gewollte Entwicklung durch den fein dosierten Luftaustausch sorgt. Dieses Jahr wurde der Wein nach der Gärung 32 Tage lang auf der Maische belassen, das bedeutet deutlich kürzer als die 48 Tage unter Capello Sommerso des Jahrgangs 2021. Zartes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Eine schwebende, delikate und zugleich reichhaltig »weinige« Nase steigt mit intensiven, perfekt ausgereiften roten Kirschen und Brombeeren sowie dunkler Pflaume, braunen Gewürzen, Eisen, schwebenden Nelken und duftenden Blüten aus dem Glas. Diese Nase ist echt überraschend, denn von dem heißen und auch trockenen Jahrgang hätte man eine reife, opulente, ultra saftige Frucht erwartet. In diesem zarten Wein herrscht ein aromatisch wunderbares Gleichgewicht vor. Im Mund legen sich sehr viele feine Tannine, wie ein Puderzucker-feiner Meeresstrand auf die Zunge. Der Jahrgang hat weniger Tannine als beispielsweise 2017, zugleich sind diese Tannine aber erstaunlicherweise krass viel feiner und geschliffener. Die Struktur harmoniert mit der wohldosierten Kirschfrucht und vibrierendem, weißen Pfeffer sowie der großartige Frische des Weins, die dafür sorgt, dass seine Textur beispiellos harmonisch integriert ist und dieser Stoff bereits bei meiner Probe im Oktober 2025, also beinahe ein Jahr vor seinem Release, schon beinahe zugänglich ist. Die Würze dieses ikonischen Barolo breitet sich kaleidoskopartig auf der Zunge aus. Dieses Jahr ist dieser Barolo nicht ultra saftig, sondern eher definiert und athletisch im Mund und eine duftende Schönheit in der Nase. Generell ist der Barolo von Bartolo Mascarello stets durch seine zarte Finesse und seine überragende Balance so groß, nie durch Power. Es gibt nur eine kleine, abgezählte Menge an Flaschen. In einem ertragreichen Jahr sind es irgendwo zwischen 15.000 und 20.000 Flaschen Gesamtproduktion für die Welt. 2022 waren es aufgrund der Trockenheit 8.000 Flaschen weniger als 2021. Übrigens mag Maria Teresa Mascarello ihre Weine – besonders in großen Jahrgängen – am liebsten nach 10 Jahren Flaschenreife.