Der Schlossberg ist um Antons Elternhaus herum gelegen. Hier tauchte 2020 der glänzende Monolith auf, welcher die Neugier Schaulustiger aus der ganzen Region weckte! Die Analogie zu Kubricks »Odyssee im Weltraum« war offensichtlich: Hier bricht jemand auf in neue Sphären – oder hier kommen der Geist und die Weinintelligenz vom Himmel. Ein hoher Anspruch und leicht abgehoben, völlig losgelöst? Nein, Winzer Anton Longo erfüllt diesen Anspruch inzwischen jedes Jahr mehr. Dieser Schlossberg Weißburgunder wurde spontan mit wilden Hefen vergoren und anschließend elf Monate lang in französischen 1.200-Liter-Fässern ausgebaut. Wie alle Weine des Weinguts 100 Prozent biodynamisch bearbeitet. Ich probiere den Wein im September 2026, circa eine Woche nach der Füllung. Mittleres, leuchtendes Goldgelb. Die Nase dieses jungen Weins ist cremig, attraktiv und umwerfend charmant. Sofort muss ich an die letzte Woche leider verstorbene Dolly Parton denken – dieser Wein ist wie sie: ein expressiver, extravaganter, vollbusiger, leuchtender Star! Charmant und scheinbar offensichtlich, doch mit Tiefe und selbstbewusster Bedachtheit. Everybody’s darling and a class of its own... Reife, opulente, gelbe Frucht von saftiger Aprikose, Nektarine, Williams-Birnen steigt aus dem Glas. Auch etwas Exotik spielt in Form von gebratener Ananas und reifer Mango mit. Herrlich duftendes Geißblatt und sogar ein Hauch Jasminblüte sind mit schwebender Vanille, cremigem Brioche und duftendem Buttercroissant verwoben, dazu kommen Mandel-Tonkabohne-Creme, Zedernholz und Macadamianuss. Mmmh! Am liebsten möchte man ins Glas springen. Erst nach einiger Zeit im Glas kommen die tiefen »Werte« dieses Weins, auf denen er strukturell aufgebaut ist, in Form von zart rauchiger Mineralik zum Vorschein. Welch eine fesselnde Wandlung im Glas! Der Wein wird von Minute zu Minute tiefsinniger. Die kalksteinartige, salzige Würze harmoniert mit Noten von Salbei und Thymian. Wie in einem perfekten Parfum scheinen alle Aromen unwiderstehlich aufeinander abgestimmt. Der Mundeintritt ist wild! Im ersten Moment umwickelt die saftige, opulente gelbe Frucht die Sinne geradezu und schon im nächsten schnalzt die Zunge vor salziger Spannung! Dieser Stoff hat eine rieslingartige Säure und Definition, die ich so beim bloßen Riechen nicht erwartet hätte. Absolut grandios und ein Wein, der sich über die nächsten Jahre garantiert noch erstaunlich in der Flasche entwickeln wird. Aber warum warten?! Der Stoff ist heute schon ein Erlebnis. Der fünfte Jahrgang dieses Weins ist ein ganz anderes Kaliber und unterscheidet sich durch seine Opulenz und sein dominantes »Lecker-Gen« vom definierteren 2024er, der mich an einen muskulösen Bodybuilder erinnert hatte. Die salzige Mineralität hat in diesem Weißburgunder im Mund das Sagen. Aromatisch geht der Wein beinahe in die Richtung eines pfeffrigen Grünen Veltliners über. In der noch relativ jungen Geschichte seines Weinguts hat sich Anton jedes Jahr immer wieder um Längen verbessert. Mit diesem Wein fährt er bereits seit ein paar Jahren Seite an Seite mit den seit Jahrzehnten berühmtesten Namen der Region – oder vielleicht ist er damit sogar schon an dem ein oder anderen vorbeigezogen?! Eine beinahe waghalsige Behauptung, die durchaus für Furore sorgen könnte, hinter der ich aber mit ganzer Überzeugung stehe: Mit seinen zwei Topweinen kann sich Anton mit Terlan und Lageder auf eine Stufe stellen. Auch scheint ein guter Hauch Sonnenschein GG von Rebholz aus der Pfalz durch, wohl Deutschlands bester Weißburgunder. Für mich ist dieser Schlossberg der verführerischste Jahrgang, den der begnadete Anton bisher gemacht hat. Ein Weißburgunder-Leckerli. Dieser Wein würde selbst den ein oder anderen Burgunder aus einer klingenden Appellation im Regen stehen lassen, eine Assoziation an Corton-Charlemagne. Meine Begeisterung für diesen jungen Winzer kann ich wirklich nicht genug betonen, denn Anton Longo spielt mittlerweile in der ersten Winzerliga Südtirols, oder sogar Europas. Das kann niemand mehr übersehen. Bravo, Anton!