In 2025 kamen im September ausgiebige Regenfälle, die mit der Lese kollidiert sind. Bis dahin waren höchstens Kabinette reingeholt, danach galt es geduldig sein und dann sehr, sehr schnell sein mit dem Reinholen, bevor es in die falsche Richtung ging. Eva hatte noch einige Unterstützung vom Wittmann-Lese-Team, weil sie in Rheinhessen schon großteils vor dem Regen fertig waren. Es gab zwar stellenweise etwas Botrytis, das hielt sich aber alles im Rahmen in Trittenheim und Umgebung. Es ist ein warmfruchtiger, expressiver und vollreifer Jahrgang, der aber überwiegend botrytisfrei und sehr clean geerntet werden konnte. Wir haben schon deutlich mehr Wucht und Aromenspiel als im kühlen 2024. Der Wein stammt aus den obersten Lagen der Trittenheimer Apotheke. Das sind die ältesten Reben des Weingutes mit 80-100 Jahren Rebalter. Einzelpfahlerziehung auf Terrassen, wurzelecht. Sehr moderater Alkohol bei circa 5 Gramm Restsüße, also optimale Werte. Die Apotheke trocken wird zu 100 Prozent im Moselfuder spontan vergoren und ausgebaut. Der Wein wächst auf purem, bröckligem Schiefer- und Feuerstein. Ultrakarger Boden und damit auch diese absolute Typizität der Mosel. Diese filigrane Erhabenheit und zugleich das Steinige, wie es nur von hier kommen kann. Wir haben vorne die deutlich größere Eleganz und Feinheit als beim Steinreich, gehen mehr ins Schwebende, Abgehobene. Es ist ein sehr purer Terroirwein der Mosel, der eine eher reduzierte Frucht zeigt, wunderbar kühl. Frisch gepresste Limette, Quitte, Passionsfrucht, was für ein Trinkspaß! Zugleich leichtfüßig und doch sehr lang. Ganz klassisch moselanisch, aber aus 2025 mit ordentlich Druck dahinter. Wir sind hier bei Clüsserath aber auf jeden Fall, wenn man Feinheit möchte, ziemlich vorne an der Mosel. Das ist ein unglaublich schicker Riesling, der in sich ruht und bei all seiner inneren Kraft stets leichtfüßig und verspielt bleibt.