Das Jahr 2024 war ein kühleres, feineres Spätburgunder-Jahr, also im Grunde ganz nach Alexander Stoddens Geschmack. Ertragsmäßig war 2024 brutal, rund 60 Prozent weniger Ertrag als im langjährigen Mittel, was nur 19 hl/ha im Betriebsschnitt ausmacht. Quasi der gesamte Verlust kam durch den schweren Frühjahrsfrost. Es gab an der Ahr seit 1997 keinen so flächendeckend starken Frost mehr wie in 2024. Vom Charakter her aber ein wunderbar feingliedriger und entspannter Jahrgang. Von den ganz großen Sachen wie Alte Reben gibt es entsprechend nur ein einziges Fass, anstatt wie sonst zwei. Die Weine sind vor Ostern aus den Fässern gekommen und wurden Mitte April 2026 abgefüllt. Schön dichter, saftiger Mundeintritt, blaue Waldbeeren mit ihrer pikanten Säurespur, der Speichel fließt, wir sind schon feingliedriger als in 2023 und vor allem 2022, aber Power hat 2024 auch, da sollte man sich nicht täuschen. Die Beerenfrucht schiebt schon an, kleidet den Mund mit süßen, blumigen Tanninen aus. Ich bin überrascht über die Fruchtfülle, die 2024 ausstrahlt. Süße, blumig unterlegte Cassisfrucht, dunkle Kirsche, Holunderbeere, zart pfeffrig, dann kommt immer mehr Veilchen hoch. Mit mehr Luft läuft der Herrenberg auch immer stärker in seine mineralische Würze, zieht mehr zum Stein und zur Holzkohle, süßen Erdnoten, dann wieder mehr Cassis. Ein changierendes Spiel mit schönem Druck dahinter, extrem schlank sind die 2024er jedenfalls nicht. Das hat schon Bumms, aber eben auch große Feinheit. Die Tanninstruktur ist aber ausgesprochen elegant und feingliedrig, gerade beim Herrenberg ist das eine verblüffend zarte Symphonie aus leichter Salzigkeit und samtigem Körperbau. Einfach ein unglaublich schöner Wein. Der Herrenberg ist immer einer der feinsten Weine des Hauses und in 2024 kommt das dann ganz besonders zum Tragen.