Der 2023er Pinot legt gegenüber dem 2022er noch einmal spürbar an Ernsthaftigkeit zu. Noch mehr Spannung, mehr Struktur, mehr innere Dichte. Nicht größer im klassischen Sinne, aber ambitionierter. Vielleicht auch der Pinot, der noch deutlicher zeigt, wohin die Reise bei diesem Projekt gehen könnte. Die verschiedenen Parzellen liegen in den Rieden Liebenberg, Rothenhof, Burgstall, Mühlpoint und Seiberberg. Insgesamt nur 0,55 Hektar Fläche und nur rund 2000 Flaschen Gesamtproduktion. Jede Parzelle bringt einen anderen Baustein in die Assemblage ein. Der kalk- und schiefergeprägte Liebenberg liefert Struktur und Spannung, die kühleren Bereiche im Mühlpoint sorgen für Frische und Zug, während die Loibner Lagen zusätzliche Reife und Tiefe beisteuern. Darüber liegt das einzigartige Klima der Wachau mit seinem permanenten Wechselspiel aus kontinentaler Kühle und pannonischer Wärme. Genau daraus entsteht diese faszinierende Balance, die den Wein so eigenständig macht. Schon die Nase wirkt deutlich komplexer und würziger als beim 2022er. Rauchiger, reduktiver, dann Sauerkirsche, Preiselbeere und Granatapfel, dazu schwarzer Tee, etwas Nelke. Alles wirkt kühl, präzise und unglaublich fokussiert. Kein Fruchtbomben-Pinot, kein Charmeur. Eher ein Wein, der sich langsam entfaltet und mit jeder Minute mehr Facetten zeigt. Am Gaumen dann richtig beeindruckend. Druckvoll, salzig und voller Spannung. Das feinkörnige Tannin zieht sich durch den gesamten Wein, die Frucht bleibt stets eingebunden und wird von Kalk, Schiefer und Würze eingerahmt. Trotz des hohen Neuholzanteils wirkt nichts vom Holz geprägt. Alles dient lediglich der Struktur. Der Wein besitzt diese faszinierende Mischung aus Kraft und Leichtigkeit, die man bei Pinot Noir so selten findet. Die Mineralität wirkt tief und kühl, während die Frucht im Kern für Balance sorgt. Noch deutlich jugendlicher als der 2022er, noch nicht ganz angekommen, aber vielleicht sogar der größere Wein. Stark sind beide – 2022 zum jetzt antrinken, 2023 noch ein bisschen im Keller vergessen.