Rotwein aus der Wachau?! Vor zehn Jahren hätte man das vermutlich noch belächelt. Heute steht man vor diesem Glas und fragt sich eher: Warum nicht schon früher? Lucas Pichler und seine Frau Johanna trinken privat leidenschaftlich gerne Pinot Noir und wollten wissen, ob sich auf den steilen Terrassenlagen der Wachau ein wirklich großer Pinot erzeugen lässt. Die Antwort steht hier im Glas und fällt erstaunlich überzeugend aus! Der Wein stammt von gerade einmal 0,55 Hektar, verteilt auf mehrere Parzellen rund um Dürnstein, Loiben und Weißenkirchen. Den wichtigsten Anteil liefert dabei der Liebenberg, ergänzt durch kleine Flächen in den Rieden Rothenhof, Burgstall, Mühlpoint und Seiberberg. Teilweise wurden bestehende Veltliner-Anlagen auf Pinot Noir umveredelt, teilweise neue, kleinbeerige Burgunderklone gepflanzt. Besonders spannend ist dabei das Terroir. Kalkhaltige Böden mit Schiefer- und Gneisanteilen treffen hier auf das einzigartige Spannungsfeld der Wachau. Kühle Luftströme aus den Waldzonen und dem westlichen Donautal stehen permanent im Austausch mit den warmen pannonischen Einflüssen aus dem Osten. Genau diese Mischung aus Frische, Reife und Luftbewegung scheint für Pinot Noir nahezu ideal zu sein. Kaltmazeration, spontane Vergärung, Pigeage statt Remontage und anschließend zwei Jahre Ausbau in burgundischen Barriques. Nur knapp 2000 Flaschen. Das Erstlingswerk aus 2022 wirkt heute erstaunlich offen und harmonisch. Feine rote Kirsche, etwas Hagebutte und getrocknete Blüten schweben über dem Glas. Dahinter sofort Würze, Kalk und Stein. Überhaupt definiert sich dieser Wein viel stärker über Struktur als über Frucht. Das macht ihn so spannend! Er besitzt diese salzige, leicht kühle Spannung, die man immer wieder bei großen Wachauer Weinen findet, nur eben in Pinot-Form. Am Gaumen saftig und unglaublich animierend. Feines Tannin, viel Zug und eine fast schwebende Leichtigkeit. Der kalkige Untergrund sorgt für Präzision und Frische, während die pannonische Wärme für die nötige Reife im Kern verantwortlich ist. Irgendwo zwischen Deutschland und Burgund, aber eigentlich weder noch. Vielleicht ist das tatsächlich einfach Wachauer Pinot Noir. Falls ja, dann darf man sich auf die kommenden Jahre freuen. Ein starkes Debüt!