Die Kalmit kann bei Kranz eben nicht nur Riesling und Weißburgunder – auch der Spätburgunder zeigt ziemlich eindrucksvoll, was auf diesem extrem kalkreichen Terroir möglich ist. Der Südhang der Ilbesheimer Kalmit ist das Herzstück des Weinguts und längst eine der großen Lagen der Südpfalz. Der rund 270 Meter hohe Kalkhügel entstand während der Absenkung des Oberrheingrabens im Tertiär. Beim Spätburgunder ist der Kalkanteil in den Mergel- und Lössböden besonders hoch. Die nach Süden ausgerichteten Parzellen sind mit älteren Reben sowie französischem Rebmaterial bestockt, die Erträge liegen mit gerade einmal 20–30 hl/ha extrem niedrig. Selektive Handlese, schonende Maischebehandlung, spontane Vergärung und händisches Unterstoßen. Anschließend reift der Wein über zwei Winter in gebrauchten und neuen Barriques und kommt unfiltriert auf die Flasche. Und dann 2022: ein warmer, reifer Jahrgang, der hier dennoch einen erstaunlich kühlen, straffen und beinahe schwerelosen Pinot hervorgebracht hat. Schon die Nase ist wunderbar duftig und fein. Sauerkirsche, Himbeere und rote Johannisbeere, dazu etwas Walderdbeere und ein Hauch dunklere Kirsche. Die Frucht ist reif und konzentriert, bleibt aber immer glasklar und völlig ohne Süße. Darüber liegen Veilchen, etwas Hagebutte, feine Kräuter und eine dezente Würze aus schwarzem Pfeffer, Wacholder und einem Hauch Vanille. Mit Luft kommen Rauch, etwas Unterholz und diese unverkennbare kalkig-steinige Note immer stärker durch. Am Gaumen dann unglaublich elegant. Saftig und durchaus konzentriert, aber überhaupt nicht breit. Die rote Frucht zieht sich messerscharf durch den Wein, begleitet von vibrierender Frische und einer fast jodig-salzigen Mineralität. Die Tannine sind seidig und ultrafein geschliffen, geben dennoch genug Grip und Kontur. Das Holz ist wunderbar integriert und liefert lediglich etwas Würze und Struktur. Trotz der Wärme des Jahrgangs bleibt alles kühl, geradlinig und voller Energie. Sauerkirsche und Johannisbeere wechseln sich mit Himbeere und etwas Cranberry ab, dahinter nasser Stein, Kreide und eine feine rauchige Würze. Gerade zum Finale wird der Wein immer mineralischer und salziger. Enorm lang, fein und präzise, mit diesem fast kreidigen Nachhall, der noch minutenlang stehen bleibt. Ein Spätburgunder, der weniger über Kraft als über Spannung, Finesse und innere Dichte kommt. 2022 bringt ihm etwas mehr Frucht und Konzentration, die Kalmit hält dagegen mit Frische, Salz und Kalk. Ein bemerkenswert eleganter Pinot mit seidigem Tannin, großer Balance und richtig viel Energie.