Der Tiefenbacher Heinberg ist die wärmste Lage des Weinguts. Der steile Hügelzug dreht sich nach Westen, auf der Ostseite öffnet er sich wie ein natürliches Amphitheater. Der Wald reicht hier bis an den Fuß des Weinbergs und hält kalte Nord- und Ostwinde ab. Darunter liegt extrem karges, weißes Kalkgestein mit hohem Kieselanteil. Wärme und Schutz von oben, blanker Kalk von unten – perfekte Voraussetzungen für einen Chardonnay mit Power, aber eben auch mit ordentlich Zug und mineralischem Biss. Die leicht angequetschten Ganztrauben bleiben vier Stunden auf der Maische und werden dann über die traditionelle Spindelpresse abgepresst. Spontangärung im 228-Liter-Barrique, 50 Prozent Neuholz, zehn Monate Vollhefelager im Fass und anschließend noch einmal 15 Monate auf der Feinhefe im Edelstahl. Die Nase ist zunächst dicht, rauchig und leicht verschlossen. Feuerstein, Zitronenöl und kandierte Grapefruitschale, dazu reifer Pfirsich, gelbe Pflaume und etwas helle Exotik. Dahinter geröstete Mandel, Fenchelsaat, getrocknete Kräuter. Das Holz ist klar da, aber es sitzt nicht auf der Frucht, sondern gibt Würze, Rauch und Struktur. Mit Luft wird der Wein immer komplexer, zeigt ätherische Noten von Zitronenverbene, etwas Harz und eine fast kühl wirkende Kalkigkeit trotz der warmen Lage. Im Mund dann richtig Druck! Cremiger, satter Auftakt, aber die straffe Säure schiebt sofort dagegen und zieht alles in die Länge. Salzzitrone, weißer Pfirsich und gelbe Frucht treffen auf kreidigen Grip, herbe Zitrusschalen und eine feine, zupackende Phenolik. Das Neuholz bringt Schmelz und Volumen, der karge Kalk hält den Wein aber konsequent unter Spannung. Keine Spur von Breite, trotz aller Kraft. Zum Finale wird es zunehmend würziger und steiniger, mit Rauch, gerösteter Nuss, Kräutern und massiver Salzigkeit. Lang, dicht und noch jugendlich vom Ausbau geprägt, aber mit enormer Energie und richtig viel Potenzial. Ein muskulöser, kalkgetriebener Chardonnay, der seine Wärme in Power übersetzt, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren.