Der Wein ist im Astheimer Karthäuser auf hellem Muschelkalk gewachsen, es ist die Nachbarlage des Escherndorfer Lumpp. Der R stammt aus der besten Parzelle dieses Weinbergs. Die Reben sind 20 Jahre alt, französische Klone aus dem Burgund. Nach 20 Jahren Wartezeit auf das passende Rebalter kommt dieser Wein nun endlich als Chardonnay R in den Handel. Wenn auch in den Raritätenhandel, denn es gibt weniger als 1000 Flaschen, das ist eine handverlesene Zuteilung. Die Vergleichsspielwiese für diesen Chardonnay lässt in Deutschland wenige in den Sinn kommen, eigentlich am ehesten Julian Huber, der ist vielleicht auch das stilistische Vorbild. Auch wenn es hier bei Fürst nicht unbedingt selbst so gesehen wird. Die Machart ist definitiv burgundisch, die Trauben werden leicht als Ganztraube mit den Füßen angequetscht (wie alle Weißweine im Top-Bereich bei Fürst), dann langsam und schonend gepresst und im Barrique relativ trüb vergoren, rund 20 Prozent Neuholz. Anschließend auf der vollen Hefe im selben Barrique verbleibend ausgebaut. Der Wein verbleibt das erste Jahr in diesem Barrique dann wird einmal mitsamt der Hefe abgestochen in einen Stahltank für 6 Monate, um noch mehr Klarheit in die Frucht zu bekommen, dann wird unfiltriert gefüllt und ein weiteres Flaschenlager angeschlossen. Der Jahrgang 2024 war mengenmäßig einer der kleinsten in der Geschichte von Familie Fürst, nur 18 hl/ha im Betriebsschnitt. Drei Weine wurden aufgrund von Frost sogar gar nicht produziert. Die Frostschäden waren durchaus gravierend in Bürgstadt und Klingenberg, in Astheim gab es hingegen kaum Frost, das hat dem Weingut dann immerhin noch gute Mengen liefern können. »2024 ist ein klassischer Jahrgang mit schöner Reife, gar nicht unähnlich zu 2023. Weit weg von den heißen Jahrgängen wie 2022 oder 2019. Aber auch weit weg von den kühlen Jahren wie 2013 oder 2014. Der Jahrgang lebt von seinen sehr niedrigen Erträgen.«, konstatiert Sebastian Fürst. Der Chardonnay R ist ruhig und sehr geschliffen. Er hat keine so extreme Reduktion wie der Astheimer Ortswein, wirkt weniger wild. Alles an diesem Wein ist hell, zerstoßene Muschelschale, Austernwasser, gletscherwasser-klar und in sich ruhend. Die Kalklagen sind weniger wild als die eisenhaltigen Lage in Bürgstadt bei den weißen Burgundersorten. Das ist so fein und ziseliert in seiner Salzigkeit, zarter Schmelz, straffe, aber rund geschliffene Säure. Da passt einfach alles. Das ist eher Chablis als Meursault. Auch wenn die Reben noch nicht uralt sind, ist das ein großer Chardonnay, der sich in Deutschland durchaus in die erste Reihe stellen darf in Sachen Eleganz. Da haben wir Hegers Gras im Ofen, da haben wir Hubers Schlossberg, da haben wir Ziereisen. So viele ganz große Chardonnay Erzeuger in dieser Klasse gibt es noch nicht in Deutschland. Fürst gehört definitiv auf die Liste der Top-Erzeuger. Das ist groß.